
Walk Hard - Die Dewey Cox Story
USA 2008
[R: Jake Kasdan; D: John C. Reilly, Jenna Fischer, Tim Meadows; 13.03.]
19.02.2008, 12:52, Text:
Tobias Ruderer
Obwohl es Dewey Cox nie gegeben hat, ist die Type echter als echt. In \"Walk Hard\" erfahren wir alles Wissenswerte über seine Karriere. Wie er Heavy Metal erfand und was sein Werk über das der Stones oder der Beatles erhebt. Die Musik ist Teil der Handlung.
Der Clou von \"Walk Hard\" ist nicht ganz neu: Eine Person, die es nicht gegeben hat, wird in die Geschichte eingebaut, die mehr oder weniger auf der Realität basiert. Und so ist Dewey Cox neben Elvis, den Beatles und Bob Dylan eine der größten Persönlichkeiten, die der Rock je hervorgebracht hat.
Alles ist vollständig und offensichtlich auf Klischees aufgebaut (und zu einem gehörigen Teil auf dem Cash-Film \"Walk The Line\"). Während Archetypen runtergenudelt werden, ohne historischen Kontext und ohne Motivation aus der Filmhandlung, könnte dem Zuschauer klar werden, wie sehr der Blick auf die Musik- und Kulturgeschichte im Mainstream von ein, zwei Allgemeinplätzen pro Jahrzehnt bestimmt wird: die \"Provokation\" des Rock'n'Roll (Deweys erster Auftritt mit einer soften Ballade löst Tumulte an Gewalt und Promiskuität aus) oder der \"Aufbruch\" der 60er-Jahre (\"Es ist 1966, Darlene, irgendetwas liegt in der Luft\").
So folgt es auf den zweiten Blick derselben Logik, dass die erwachsenen Darsteller deutlich sagen müssen, dass sie einen 15-Jährigen und eine 13-Jährige spielen, während die jüdischen Plattenindustriellen als Orthodoxe mit langen Bärten, Seitenlocken und schwarzen Hüten dargestellt werden. Im ersten Fall werden Ideologien über filmische Authentizität, im zweiten über die zionistische Unterwanderung zumindest beim Namen genannt. Vor allem der ätzende Sprachwitz des Allzu-deutlich-Seins macht den Humor von \"Walk Hard\" aus. Eine gewisse Stumpfheit, die auch schon im Charakter Dewey Cox' (und im Gesicht von John C. Reilly) angelegt ist.
Und dann das Serielle: der erste Zug aus dem Joint als Auslöser für Sex-Orgien; das erste Mal Koksen - und flugs wird Heavy Metal erfunden; einmal LSD - und sofort geht's ans Konzeptalbum. Die vielleicht irrsinnigste Produktionsleistung: ein komplettes Lebenswerk an Liedern zu simulieren - auch wenn die Sounds natürlich geklaut sind von Johny Cash, Scott Walker, Brian Wilson, Bob Dylan, den Bee Gees.
Für die Struktur von solch (semi-) biografischen Filmen spielt es zunächst keine Rolle, ob das Feld, in dem die Karriere rauf-runter-rauf geht, Politik, Sport, Wirtschaft oder eben das Musikbusiness ist. Die Musik aber ist einerseits Teil der Handlung, andererseits gleichzeitig der Soundtrack dazu. Ob gut oder schlecht: nur Ironie ist sie nie.
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