
13-Tzameti
F 2005
[R: Gela Babluani; D: George Babluani, Philippe Passon, Pascal Bongard; 13.03.]
19.02.2008, 12:50, Text:
Katja Garmasch
Er lebt - der Film noir mit seinem reduziert-packenden Sujet, den monochromen Nahaufnahmen und authentischen Charakteren. \"13-Tzameti\" heißt der Debütfilm des jungen georgisch-französischen Regisseurs Gela Babluani - und wirkt in seinem grobkörnigen Schwarz-Weiß-Interface alles andere als verstaubt.
Die Low-Budget-Produktion wurde in Venedig, Cannes und auf dem amerikanischen Sundance-Festival gelobt, Babluani selbst mit dem frühen Polanski sowie mit Tarantino verglichen.
Der junge georgische Immigrant Sebastien - gespielt von Gelas Bruder George Babluani - jobbt als Dachdecker bei einem abgebrannten Morphiumsüchtigen. Unzuverlässig wie alle Junkies, befördert sich der Auftraggeber mithilfe einer Überdosis ins Jenseits, ohne Sebastien auch nur einen Cent bezahlt zu haben. Alles, was dem armen Arbeiter als zweifelhafte Entlohnung bleibt, ist ein durch ein Loch im Dach mitgehörtes Gespräch über ein großes Geschäft. Dazu ein an den Verstorbenen adressierter Umschlag samt Zugticket und konspirativen Anweisungen. Sebastien stürzt sich ins gefährliche Spiel, dessen Einsatz sein eigenes Leben ist.
Während Babluani im zweiten Teil des Films den Noir-Thriller zur Bestform auflaufen lässt, fällt die erste halbe Stunde übermäßig lang und mäßig langweilig aus. Hier fühlt sich der erst 26-jährige Georgier berufen, auch die Filmschule seiner Heimat zu reanimieren, die mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion in Vergessenheit geraten ist. Ihre berühmtesten Vertreter Ioselliani, Schengelaja und Paradschanov haben vor Jahren surreale Parabeln entwickelt, um an der strikten sowjetischen Zensur vorbei auf soziale Missstände aufmerksam zu machen. Doch wenn sich Babluani der humanistischen Ikonografie seiner georgischen Vorgänger bedient, wollen sich seine naiv-märchenhaften Bilder in der harten Faktur eines westeuropäischen Thrillers nicht auflösen. So, wie sich Wasser und Öl nicht zu vermischen vermögen.
Babluani ist im Chaos des postsozialistischen, von Bürger- und Bandenkriegen erschütteten Kaukasus groß geworden. Er hat Armut, Hunger und tägliches Sterben miterlebt. Seine Geschichte ist eine Parabel über diese Vergangenheit - und eine Welt, in der nur das Recht des Stärkeren herrscht, in der man schlicht töten muss, um selbst zu überleben.
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