No Country For Old Men

USA 2008

[R+B: Joel & Ethan Coen; D: Josh Brolin, Javier Bardem, Tommy Lee Jones, Woody Harrelson, Kelly Macdonald; 28.02.]

19.02.2008, 12:47, Text: Martin Riemann
[15 Kommentare]

Thriller ohne Schuld und Sühne: Joel und Ethan Coen verfilmen eine Geschichte von Cormac McCarthy. Und knüpfen in \"No Country For Old Men\" zudem an ihre eigenen Anfänge an: Die frischen Blutspuren erinnern an ihr Debüt \"Blood Simple\" und den Klassiker \"Fargo\".



Aufmerksame Beobachter der Tagespresse werden schon lange einen Unterschied bemerkt haben, zwischen der realen Welt des Verbrechens und dem Großteil der im Kino dargestellten Kriminalität. Das mag wie eine Binsenweisheit klingen. Doch nach über 100 Jahren Filmgeschichte sollte klar sein: Nicht die Darstellung von Gewalt, sondern ihre Einbindung in gängige erzählerische Strukturen verschleiert die eigentliche Monstrosität von böswilligen Angriffen auf Leib und Leben.

Vor allem das Spannungskino Hollywoods handelt oft unter dem Zwang, nachvollziehbare Straftaten in die Handlung zu implementieren, die zum Ende hin vollständig aufgeklärt und meistens auch bestraft gehören. Eine Ausnahme stellen die Filme der Coen-Brüder dar. Der handelsübliche Krimi oder Thriller war noch nie ihr Ding. In Filmen wie \"Blood Simple\" oder \"Fargo\" stürzten sie sich lieber detailverliebt in die \"Arbeitsabläufe\" des Verbrechens - unter Berücksichtigung der Tatsache, dass selten etwas so läuft wie geplant. Jetzt kehren die Coens wieder zurück in die Welt des \"missglückten Verbrechens\". Dafür wählten sie einen Stoff des Pulitzer-Preisträgers Cormac McCarthy - ein Autor, dessen Werk sich auf extreme Weise mit den Schattenseiten der modernen Zivilisation beschäftigt.

In \"No Country For Old Men\" erzählt er einen einfachen Mythos, der uns in die USA anno 1980 führt: Ein stoischer Typ mit Gewehr und Cowboyhut findet in der Wüste ein paar Leichen, nicht wenige Päckchen Heroin und einen Koffer voller Geld. Dass er Letzteren mitnimmt, bringt verschiedene Berufsverbrecher und einen zweiflerischen Sheriff (Tommy Lee Jones) auf seine Spur und führt zu einem Katz-und-Maus-Spiel, in dem die Maus keine Chance hat. Die Adaption der Coens ist extrem werktreu und hält sich streng an den antiklimatischen, spröden Rhythmus der Vorlage.

Die Handschrift der Filmemacher findet man dafür in der Betonung auf die absurd-komischen Stellen und im stilvollen Ausbau der Figuren. Unwiderstehlich der von Javier Bardem mit der Aura einer Naturgewalt verkörperte Antiheld Chigurh. Dieser scheinbar unbesiegbare Kriminelle, der seine Probleme vornehmlich mithilfe eines Bolzenschussapparats löst, verfügt über ein beunruhigendes Arbeitsethos, das selbst den abgeklärtesten Ordnungshüter ratlos zurücklässt. Denn \"Ordnung\", das machen Film und Buch auf lakonische Weise deutlich, existiert höchstens noch in den Plotlines professioneller Drehbuchschreiber.



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aus Intro #158 (März 2008)
 
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  • User: Memphis
  • Memphis 13.03.2008 | 18:21:55

    Empfehlenswerter Film. Aufregend, teilweise komisch, kommt nahezu ohne Musikalische Beschallung aus. Aber: Kann mir jemand die letzten 15 Minuten erklären??

  • brotvielfalt 14.03.2008 | 02:05:11
    Flitzpiepe
    Grandioser Film, überhaupt nicht öde.
    Über die Brutalität war ich überrascht, Javier Bardem ist ein unglaublicher Schauspieler.

  • User: Memphis
  • Memphis 14.03.2008 | 02:23:46

    Aber warum dieses Ende? Die Dialoge waren erste Sahne, aber das Ende? Nee, geht garnicht. Oder es war einfach zu spät.

    Film aus. Alles still. Alles. Abspann. "War´s das"?
    Hmmm ... komisch. Also von der Überlänge hat zumindest der Normalteil sehr gut gefallen.

    Und ich bin jetzt vorsichtiger, wenn jemand sagt "Bitte mal ganz stillhalten ..."

  • cronkite 14.03.2008 | 14:43:43

    das ende ist doch spitze. der scheriff kommt drauf, dass er sich nie auf was eingelassen hat, eigentlich unfähig ist seinen job auszuüben und niemals mit seinen idealen gleichziehen wir können. insofern könnte man folgern, dass das "old men" im titel eine eher symbolische umschreibung für einen gewissen typus ist.

  • high_low 19.03.2008 | 00:03:59

    ist jetzt nicht der überkrasse film den ich mir erhofft hatte. sollte man nicht zuu hohe erwartungen dran stellen ...

  • creation2 19.03.2008 | 08:41:05
    Fortunist
    Meine hohen Erwartungen wurden mehr als erfüllt.




    Was ist denn für Dich ein "überkrasser Film"?

  • high_low 19.03.2008 | 16:55:59

    schwer zu beantworten. wahrscheinlich einer der mich umhaut / fasziniert. aber vllt. zeichnen sich coen-filme gerade dadurch aus, dass sie irgendwie "trocken" sind (humor, brutalität) und einen nicht total aus dem sessel reißen (nicht zu verwechseln mit sensationsgeilheit oder so). jedenfalls hat es bei obrother & lebowski auch nicht sofort gefunkt, mittlerweile schätze ich beide filme aber sehr.

  • User: kais
  • kais 05.04.2008 | 21:47:59

    Gott, das ist ewig her, das ich den gesehen hab. Auf der Viennale, drei Stunden für die Karte angestanden und dann dieser Film. Einfach nur geil!

  • User: Hipecac_243
  • Hipecac_243 28.04.2008 | 15:22:19
    (in Gedanken ganz woanders):
    Ja, doch, sehr gut.
    Die Coens verkneifen sich weitesgehend ihre clever-ironischen Filmemacher-Sperenzchen, schon kommt der beste Film ihrer Laufbahn dabei raus.

  • User: ocean_pie
  • ocean_pie 28.04.2008 | 15:59:20
    von Schnäbeln
    So, endlich auch gesehen, vorher viele Lobeshymnen gehört und daher durchaus mit hohen Erwartungen reingegangen, und diese Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Großartige Bilder, tolle Dialoge, der für die Coen-Brüder typische trockene Humor und geniale Darsteller, vor allem Javier Bardem als Killer, der dabei die ganze Zeit aussieht, als könne er kein Wässerchen trüben.
    ;-)

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