
Lars und die Frauen
USA 2007
[R: Craig Gillespie; D: Ryan Gosling, Emily Mortimer]
19.02.2008, 12:36, Text:
Alexander Dahas
Mit Lars und den Frauen ist es, kurz gesagt, nicht so weit her. Für den linkischen, schmerzhaft scheuen Einzelgänger mit dem mageren Bärtchen ist es schon das höchste der Gefühle, mal einen Tag lang im Büro nicht gehänselt zu werden. Seinen Mitmenschen gilt der Eigenbrötler als harmloses Versuchskaninchen, was das Überkommen der eigenen Unsicherheiten angeht.
Denn es kann langweilig werden, im Winter, draußen auf der amerikanischen Prärie, und Lars scheint zur allgemeinen Irritation wenig auf Gesellschaft angewiesen zu sein. Seit dem Tod seiner Eltern wohnt er in einem Schuppen hinter dem Haus seines Bruders, und wenn ihn seine Schwägerin einmal zum gemeinsamen Abendessen überreden kann, ist das beinahe schon ein Akt der Gewalt. Als Lars eines Tages doch einwilligt und darüber hinaus ankündigt, seine Freundin Bianca mitbringen zu wollen, beginnt eine neue Phase der Exzentrik. Denn Bianca ist kein gewöhnliches Date, sondern eine lebensgroße Sexpuppe, wie man sie sich im Internet nach eigenen Wünschen anfertigen lassen kann.
\"Lars und die Frauen\" suggeriert in seiner liebenswürdigen Prämisse, dass sein Publikum bereits eigene Erfahrungen mit Vereinsamung bis hin zum Borderline-Autismus gemacht hat oder sich zumindest in diesem Milieu heimisch fühlt. Der Zuschauer muss dementsprechend auch keine Angst haben, dass sein Held der Lächerlichkeit preisgegeben wird. Im Gegenteil: Regisseur Craig Gillespie umschifft die zahlreichen Klippen sich anbietender Discount-Witzchen mit traumwandlerischer Sicherheit und erlöst seine gutmütig-distanzlose Kleinstadtgemeinde erst rechtzeitig zum selben Termin wie Lars.
Die penible Plausibilität der vielen kleinen hinzunehmenden Grenzübertritte erinnert dabei stark an Shainbergs \"Secretary\", im Grunde ein als Sexfilm getarnter Liebesfilm, so wie \"Lars\" im Grunde ein als Groteske getarnter Erbauungsfilm ist. Um ein Kind zu erziehen, brauche es ein ganzes Dorf, heißt es, aber was tun mit den Erwachsenen? Gillespie schlägt die geduldige Entpathologisierung des noch so ausgeprägten Individualismus vor und wirbt für eine Gesellschaft der Gönner, in der goldene Herzen unter der geschmacklosen Garderobe schlagen. Das macht den Film zu einem milde ironischen Plädoyer für gute Nachbarschaft und Lars zum zärtlichen Diplomaten der Verkorksten.
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