Bruce LaBruce

Berlinale 2008

[Dynamiken der Zombifizierung]

24.01.2008, 14:57, Text: Maurice Delgado, Foto: Marietta Kesting
[14 Kommentare]

Dieser Tage kann man sich ein ganz gutes Bild davon machen, was die frühen Vertreter des New Queer Cinema heute so treiben. Während wir gespannt auf Todd Haynes' Dylan-Biopic 'I'm Not There' warten (mehr dazu in Kürze), feiert Bruce LaBruce' 'Otto; Or Up With Dead People' auf der Berlinale 2008 Premiere. Maurice Delgado berichtet von den Dreharbeiten und wirft anschließend ein Blick auf das anstehende Festival in der Hauptstadt. Tim Stüttgen besuchte die Aufführung von LaBruce' gefeiertem Theaterstück 'Cheap Blacky'.


Nur ein paar Hundert Meter entfernt vom Schlesischen Tor sind die Wege verstaubt und dreckig. Kein Set muss künstlich errichtet werden. Eine Papier-Recyclingfabrik an der Spree in Berlin-Kreuzberg dient als Kulisse. Es sind die letzen Aborte der Post-Industrieästhetik, die von den Malls und Arenen auf der gegenüberliegenden Uferseite konterkariert werden.

Wir sind zu früh, alles wirkt verlassen und bewegungslos. Dann das erste Bild vor einer maroden Lagerhalle: Otto, der Zombie, isst einen Salat im provisorisch eingerichteten Cateringbereich. Er sieht müde und abgekämpft aus, untot-morbide eben. Um ihn herum bilden junge, poshe Boys und Girls einen stylishen Müllkinderbund: Es ist das Filmteam von Bruce LaBruce, über 20 Leute.

Langsam nimmt das hektische Treiben zu. Der Charme der Improvisation im ruinösen Ambiente entfaltet sich. Morgens war bereits in einem Schlachthof gedreht worden. Die Strapazen stehen LaBruce ins Gesicht geschrieben. Kurze, freundliche Begrüßung. \\"How is it? Fine!\\" Dann geht es los.

Nicht das erste Mal, dass der kanadische Filmemacher in Berlin dreht. 'Skin Flick', den es auch als Hardcore-Version mit dem Titel 'Skin Gangt' gibt, wurde 1998 gedreht. Schon lange, bevor die Kleinkunstfalle der subversiven Queerkultur in Berlin zuzuschnappen drohte, hatte Bruce LaBruce Berlin auch als strategischen Ort gewählt. Das liegt nicht nur an der Produktionsfirma Wurstfilm seines Freundes und Produzenten Jürgen Brüning, sondern auch an der ästhetischen Entscheidung, andere Pornos jenseits des Mainstream zu produzieren. Solche, die in der Tradition des amerikanischen \\"Underground Porn\\" und experimentellen Kunstfilms der 60er-Jahre stehen. Die werden nicht im Studio, sondern häufig an öffentlichen Schauplätzen verwirklicht.


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aus Intro #157 (Februar 2008)
 
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  • User: gnathonemus
  • gnathonemus 08.02.2008 | 11:44:38
    toller specht
    oh, endlich mal wieder was neues von labruce. raspberry reich ist schon wieder einiges her. sieht nach liebevollem trash aus. mal sehen, ob ich karten ergattern kann.

  • User: die_jule
  • die_jule 09.02.2008 | 10:11:32
    let's kiss and make up
    wow das war ja kein problem ne karte zu bekommen. dafür ist die perspektive deutsches kino immer sofort ausverkauft, tzzzz.

  • User: gnathonemus
  • gnathonemus 09.02.2008 | 11:07:31
    toller specht
    stimmt, 3 x für dienstag zugeschlagen:
    - east/west sex & politics (jochen hick)
    - l'age d'or/simon del desierto (bunuel)
    - drifting flowers (zero chou)

    morgen nochmal pünktlich aufstehen, dann dürfte das mit labruce am mittwoch auch klappen, und wenn möglich noch "wild combination", die doku über arthur russell

  • User: schons
  • schons 09.02.2008 | 11:59:28

    so ein dummer artikel. wenn ich lust schreibe ich mal ausführlicher was zum debilen pomowahn.

  • User: ms_bumblebee
  • ms_bumblebee 09.02.2008 | 12:13:57
    shredds, grates, grinds, slice
    du meinst pomopornowahn? mach mal. ich denke das auch immer, aber bin dann zu phlegmatisch.
    mir geht diese wiederauflage des hippiesken sexualoptimismus (weniger heterosexualität, weniger gerede vom kapitalismus, mehr dildos und gleitcreme) auch einigermaße auf den wecker.

  • User: gnathonemus
  • gnathonemus 09.02.2008 | 12:14:26
    toller specht
    dabiler pornowahn? bezieht sich das auf labruce? versteh ich nicht. erklär mal, wenn du lust

  • User: gnathonemus
  • gnathonemus 09.02.2008 | 12:18:56
    toller specht
    ach du scheiße, lesen kann ich auch nicht. porno=pomo.

    @bumblebee: hippiesken sexualoptimismus

    das kann sich aber jetzt unmöglich auf labruce beziehen, oder wen oder was meinst du damit?

  • User: schons
  • schons 09.02.2008 | 12:19:58

    ja, ich meine den postpornoquark, das akademische kulturlinke sozialdemokratengeschwafel, aber ich habe noch nicht geschlafen, später oder dann halt..

  • User: ms_bumblebee
  • ms_bumblebee 09.02.2008 | 12:23:45
    shredds, grates, grinds, slice
    dochdoch. seit ein paar jahren wird doch überall die politisch-subversive kraft des (queeren) pornos wieder abgefeiert. ich halte das für einen gigantischen fehlschluss.

  • User: gnathonemus
  • gnathonemus 09.02.2008 | 12:31:49
    toller specht
    politisch-subversive kraft des (queeren) pornos

    politisch-popitisch, mir doch egal. ich schau mir das halt gerne an, weils lustig ist. überschätzen sollte mans nicht. sind ja nur filme.

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