Talk To Me

USA 2007

[R: Kasi Lemmons; D: Don Cheadle, Chiwetel Ejiofor, Taraji P. Henson, Martin Sheen; 07.02.]

22.01.2008, 15:26, Text: arno raffeiner

Die Geschichte von Ralph Waldo \"Petey\" Greene. Der Ex-Knacki wurde in den Sixties Radio-DJ bei einem R'n'B-Sender in Washington. Er nahm kein Blatt vor den Mund und machte sich notgedrungen zum Clown. Ein guter Film über einen guten Typ.



No signifying: Bei Petey Greene geht alles, bloß kein tieferer Sinn. Der Radio-DJ wehrt sich gegen jede Art von Mehrbedeutung, denn wenn er seinen Mund aufmacht, ist alles eins zu eins. Der Mann ist echt, er kommt von der Straße, saß im Gefängnis, und er spricht über den Äther nichts als die harte, ungeschönte Wahrheit. Wäre eine solche Figur bloß ausgedacht, der Film wäre wohl nicht mehr zu retten.

Doch Regisseurin Kasi Lemmons hat mit \"Talk To Me\" die Geschichte von Ralph Waldo \"Petey\" Greene verfilmt, einem ehemaligen Häftling, der sich mit großer Hartnäckigkeit den Job als DJ eines R'n'B-Senders im Washington DC der 60er-Jahre erkämpfte und in den folgenden Jahren zu einem Mythos schwarzer Entertainment-Kultur aufstieg. Begleitet wurde er dabei von Dewey Hughes, dem Programmdirektor der Radiostation, der schließlich zu seinem Manager wurde. Beide stammen aus den Armenvierteln Washingtons, doch Hughes (Chiwetel Ejiofor) hat sich als angepasster Karrierist eingerichtet, der von Petey Greenes flotter Lippe als \"just another white boy with a tan\" abqualifiziert wird; Greene (Don Cheadle) versteht sich als unverfälschtes Sprachrohr der Black Community, aus der er enormen Rückhalt erfährt. Aus der Spannung zwischen diesem ungleichen Paar speist sich die Dynamik des Films. Der Biopic-Stoff wird zum Widerstreit zwischen Assimilation und Selbstbestimmung.

Angesichts dieses prägnanten Konflikts - und des kongenialen Zusammenspiels von Cheadle und Ejiofor - lässt sich die Engführung der Geschichte auf die zwei Hauptfiguren verschmerzen, die den historischen und sozialen Rahmen meist nur als funky Background in Szene setzt - mal abgesehen von der langen Radionacht nach der Ermordung von Martin Luther King.
Im entscheidenden Moment, als das Duo in das Allerheiligste der US-Unterhaltungsindustrie, die \"Tonight Show\", eingeladen wird, hat Greene seinem Partner einiges an Selbstreflexion voraus.

Als bunt gekleideter, mal lustiger, mal wütender, immer Klartext sprechender Schwarzer ist er vor einem weißen Publikum nichts anderes als ein Clown, eine Bestätigung genau jener (auch positiven) Vorurteile, die es sowieso schon hat. Damit erzählt \"Talk To Me\" nicht nur die bemerkenswerte Geschichte des Petey Greene, sondern findet eindrückliche Bilder für Fragen, die in der Rezeption von, sagen wir: HipHop nach wie vor mitschwingen.



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aus Intro #157 (Februar 2008)
 
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