
Fallen
A 2006
22.01.2008, 15:17, Text:
arno raffeiner
Barbara Albert geht in ihren Filmen gern an jene Orte, wo eigentlich niemand sein möchte. Dahin, wo es peinlich wird, unerträglich geradezu, bis über die Schmerzgrenze: Klassentreffen, Begräbnis, Dorfdisco. In \"Fallen\" kommt all das zusammen.
Alberts fünf Protagonistinnen treffen sich in ihrem alten Heimatdorf, irgendwo in der Peripherie Wiens, anlässlich einer Beerdigung, die zu einer Art Klassentreffen wird, 15 Jahre nach Schulabschluss.
Wer sie damals mit dem Virus der Freiheit geimpft hatte - ein unkonventioneller Lehrer, der sich nach und nach als zwiespältiger Hippie-Schwätzer entpuppt -, der hat sie nun für immer verlassen. Die fünf Frauen trauern, feiern, erinnern sich und spüren eine Nacht lang wieder dieses Gefühl von Aufbruch und großen Veränderungen. Durch ihr unerwartetes Zusammenkommen aus verschiedenen, verschieden verkorksten Lebensentwürfen erneuern sie ihre alten jugendlichen Träume. Vermutlich aber ganz entgegen seiner Intention verstärkt Alberts Film mit jeder neuen kleineren oder größeren Katastrophe - Dorfdisco, WC-Sex, Strafvollzug - den Eindruck, dass diese Beschwörung der Freiheit nur leere Rhetorik ist.
Es sind nur mehr kleine Fluchten möglich: an die verklärten Orte der Kindheit, in gedankenlose Exzesse, in eine neue Beziehung vielleicht. Doch der Kater danach ist garantiert. Von den Idealen des verstorbenen Lehrers bleiben nicht viel mehr als enttäuschte Lieben, kaputte Träume und ein Rechtschreibfehler auf dem Grabstein. Es ist peinlich und schön, wie \"Fallen\" das Gefühl eines diffusen Aufbegehrens einfängt. Und es ist traurig, dass das nur in einem Tonfall tiefer Resignation möglich scheint.
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