Staub

D/CH 2007

[R: Hartmut Bitomsky; 21.02.]

22.01.2008, 15:14, Text: Olaf Möller

Worüber kann man noch einen Film machen, wenn man schon erzählt hat, wie Zivilisation wird und vergeht? Hartmut Bitomsky hat das anhand einer Kriegsmaschine von unvergleichlicher Ausgefeiltheit im Jahr 2001 mit \"B-52\" getan. Danach kann man eigentlich nur noch davon erzählen, wie es so im Wesentlichen ist mit dem Leben auf Erden. Dann macht man, wie derselbe Regisseur jetzt, einen Film über \"Staub\".



Staub ist die kleinste Einheit, die man mit bloßem Auge sehen, und so ziemlich das kleinste Objekt, das man zum Thema eines Films machen kann. Staub ist, woraus Film wird und wozu er wie alles eines Tages wird, nachdem man sich vorher schon mit Staub in allen möglichen Formen, Farben und Beschaffenheiten herumgeschlagen hat. Staub ist das, was der Mensch produziert. Staub ist, was nie zu bewältigen ist. Ein Rest bleibt immer. So gesehen ist Staub die größte Hoffnung, die wir haben.

\"Staub\" ist auf seine eigene Weise - die in Venedig ständig als \"total deutsch\" charakterisiert, aber auch allgemein bewundert wurde - unendlich unterhaltsam. Was man alles zu sehen bekommt! Allein diese Mengen an Menschen, die sich professionell mit Staub beschäftigen. Und was die oft für irre Maschinen haben! Einer der ganz großen cool-lakonischen Momente: Da steht plötzlich was, das aussieht wie ein Requisit aus einem italienischen 60s-Science-Fiction-Knaller. Und Bitomsky sagt lässig so was wie: \"Das hier ist der ToffSims. Ja, was macht der eigentlich?\" In diesem Augenblick ist \"Staub\" zugleich intellektueller Slapstick und Hohelied auf die menschliche Erfindungskraft in all ihren oft arg verschroben aussehenden Inkarnationen.

Es gibt auch Helden: Die Hausfrau, die putzt und putzt und sogar - Mutter hat's geraten - Woche für Woche den Fernseher aufmacht, um auch in dessen Inneren Staub zu saugen; die fröhliche Künstlerin, die diese faszinierenden Systeme von Staubmäusen konstruiert hat; der Wissenschaftler, der darüber staunt, wie plötzlich das Uranium abgeht in der Erde; Bitomsky selbst, dessen Stimme mehr Charakter hat als so ziemlich alles, was an männlichen Schauspielern in der BRD rummacht. Und der damit Sätze von sich gibt, die so wundervoll konzis und furchtlos steil sind in den Ideen, die sie transportieren.



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aus Intro #157 (Februar 2008)
 
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