
Das Waisenhaus
E 2007
[R: Juan Antonio Bayona; D: Belén Rueda, Fernando Cayo, Geraldine Chaplin; 14.02.]
22.01.2008, 15:10, Text:
Martin Riemann
Was ist unheimlicher - ein Haus voller Geister oder die Psyche eines Menschen, der sich von Geistern umgeben wähnt? In \"Das Waisenhaus\" zeigt Regisseur Juan Antonio Bayona den Untergang einer Frau, die sich nicht von ihrer Kindheit lösen kann.
Man mag \"Das Waisenhaus\" Furcht einflößend finden. Es gibt aber kaum Gewalt und Blut. War das eine bewusste Entscheidung?
Es wäre vielleicht einfacher gewesen, wenn wir etwas Monströses eingebaut hätten, aber wir wollten unbedingt dem Zuschauer zwei Lesarten ermöglichen. Einmal ein realistisches Drama um eine Frau, die das Verschwinden ihres Kindes nicht akzeptieren kann. Und dann natürlich eine klassische Geistergeschichte. Zu viele Spezialeffekte hätten da unsere eigenen Intentionen untergraben.
Sie meinen, man könnte Ihren Film auch als reines Psychodrama begreifen?
Ambiguität ist alles! Wir haben uns dabei stark von Henry James' \"The Turning Of The Screw\" [1961 verfilmt als \"Schloss des Schreckens\"] inspirieren lassen.
\"Das Waisenhaus\", von Guillermo Del Torro mitproduziert, ist nach \"Pans Labyrinth\" der nächste spanische Film, in dem der Tod eine besondere Konnotation erfährt. Das Sterben scheint jeweils eine gewisse Form von Glück zu ermöglichen.
Ich denke nicht, dass der Tod die Lösung für irgendetwas ist. In beiden Filmen gibt es ein Gefühl drohenden Unheils, gegen das die Protagonistinnen mit Hilfe ihrer Fantasie ankämpfen. Die Aussage ist dabei ähnlich wie in Märchen, nämlich, dass wir die Fiktion brauchen, um die Realität zu verstehen bzw. sie zu ertragen.
Es wäre also eine Fehlinterpretation zu behaupten, dass in den Filmen eine Form von Todessehnsucht thematisiert wird?
Es gibt dort eher einen Horizont des Todes. Man darf den Charakter der Laura auch nicht als jemanden sehen, an dem man sich orientieren sollte. Ich möchte sie verstehen, aber ich befürworte ihr Handeln nicht.
Also ist ihr Film eine Tragödie?
Er hat auf jeden Fall ein tragisches Element. Wir haben viel diskutiert über die winzige Distanz zwischen den Menschen, die glauben, und denen, die es nicht tun. Und mir geht es um das Bedürfnis, glauben zu können. Auch wenn es tragische Konsequenzen hat.
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