
Into The Wild
USA 2007
[R: Sean Penn; D: Emile Hirsch, Marcia Gay Harden, William Hurt; 31.01.]
22.01.2008, 15:03, Text:
Wolfgang Frömberg
Sean Penns \\"Into The Wild\\" handelt von einem Aussteiger und zeigt imposante Naturaufnahmen. Auf wahren Begebenheiten basiert er auch noch. Doch lest selbst, warum Hollywoods bester Kerl uns trotzdem nicht enttäuscht.
Je krankhafter sich dem Einzelnen die Gesellschaft darstellt und je weniger Hoffnung auf eine Solidargemeinschaft besteht, die sie gesund machen könnte, desto größer ist die Chance, dass das Individuum zum Individualisten wird, der als subversives Element durch zivilisatorische Gefilde zieht, um deren Bewohnern - z. B. dem Farmer Wayne, einem dänischen Freak-Pärchen, den Ur-Hippies Jan und Rainey oder dem Army-Veteranen Ron Franz - hier und da ein Lächeln abzutrotzen. Zugegeben, ein verdammt langer Satz als Einleitung zur Würdigung eines Films, in dem es doch vor allem um eine Idee geht, die sich kurz und knapp als \\"Freiheit\\" bezeichnen lässt - und die im Miteinander pointiert das Gegenteil von \\"Gleichheit\\" bedeutet, wie zuletzt auch Bundespräsident Köhler betonte.
Regisseur Sean Penn zeigte bereits mit seiner Dürrenmatt-Verfilmung \\"The Pledge\\" und dem gelungensten Beitrag zum 9/11-Episodenfilm \\"11'09''01\\", worum es ihm in seiner Arbeit hinter der Kamera geht. Verlorene Typen, gefangen in ihrer eigenen Welt, suchen den Anschluss an Details aus der Realität, die sie aus ihrem Albtraum herauskneifen könnten. Der Trick des Christopher McCandless, Hauptfigur von Penns viertem Abendfüller \\"Into The Wild\\", besteht darin, nach dem College-Abschluss zum Selbsterfahrungstrip quer durch die Staaten aufzubrechen.
Penn inszeniert diese nach wahren Begebenheiten erzählte Geschichte mit dem Pathos einer ehrlichen Haut, die die Doppelbödigkeit jeglicher Moral nicht verdeckt. McCandless, dargestellt von Emile Hirsch, landet schon zu Beginn in den Wäldern Alaskas. Rückblenden zeigen, was zwischen seinem Aufbruch und dem Einzug in einen alten Bus, den er mitten in der Wildnis findet, geschehen ist.
Die Landschaftsaufnahmen aus Alaska sind so umwerfend wie geradezu provokativ klischeehaft. Sean Penn verzichtet weder auf das neugierige Reh noch auf die haarige Raupe, die fotogen ein Blatt überquert. Dabei liefert er eine Zivilisationskritik speziell für Zombies wie Horst Köhler - dass vollkommene \\"Freiheit\\" gleichbedeutend mit totaler Vereinzelung sein muss. Die hilfsbereite Dame der Meldebehörde von Los Angeles in ihrer engen Kabine dient als Role-Model einer anderen Methode, wie man sich dem sozialen Hauen-und-Stechen entziehen kann. Sie ist eine von vielen starken Typen im tollen Ensemble, die alle für sich einen Spin-off wert wären und gemeinsam mit Sean Penn die Rolle des \\"Alexander Supertramp\\" eben nicht zur einsamen Witzfigur degradieren.
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