
Kurz in Berlin
D 2007
22.01.2008, 14:48, Text:
Philipp Jedicke
Mit dem Kurzfilmprogramm-Gucken ist es wie mit dem Joggen: Erst muss man sich aufraffen - und danach ist man doch wieder froh, es getan zu haben. Denn der filmische Ideenreichtum ist bei einem gelungenen Kurzfilmprogramm riesig. Die DVD \"Kurz in Berlin\" wurde zusammengestellt vom Berliner Festivalveranstalter und Verleih interfilm.
Die Entstehungszeit der Filme umspannt 30 Jahre. Gemeinsam ist ihnen - von der quietschbunten DEFA-Doku \"Berlin\" bis zum minimalistischen Oscar-Preisträger \"Schwarzfahrer\" von Pepe Danquart - allein das Sujet. Dokumentarisches, Fiktives, Komisches und Tragisches wechselt sich ab:
Die Engländerin Ellie Land lässt in \"Die andere Seite\" erwachsene Berliner in O-Tönen von ihren Kindheitsvorstellungen, was hinter der Mauer liegen könnte, erzählen und begleitet die Aussagen mit treffenden Animationen. Gerd Conradt filmte 1986 einen Tag lang über die Mauer von West nach Ost und gibt in \"Ein-Blick\" einen überraschend poetischen Eindruck vom Alltag im Grenzstreifen.
Am beeindruckendsten ist aber der anarchische Bastel- und Zappelfilm \"Fliegenpflicht für Quadratköpfe\" von Stephan Flint Müller, in dem der Filmemacher und seine Freunde den urbanen Raum zum Spielplatz machen, Plakate umgestalten, Körperteile vor große Gebäude halten und mithilfe von Perspektivwechseln wahnwitzige Effekte erzeugen. Der Film ist dabei zugleich sein eigenes Making-of und Deleted-Scenes-Archiv. Selbstreferenziell und unkonventionell schließt er diese kleine Berlin-Schatzkiste. Bitte mehr davon.
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