
Darjeeling Limited
USA 2007
[R: Wes Anderson; D: Owen Wilson, Jason Schwartzman, Adrien Brody, Amara Karan; 03.01.08]
02.01.2008, 09:23, Text:
Martin Riemann
Wes Anderson gibt nicht auf. Nachdem ihm sein Abenteuerfilm 'Die Tiefseetaucher' bei der Kritik den Ruf einbrachte, eine Puppenhaus-Ästhetik zu perfektionieren, die sich bloß um sich selbst und ihr Inventar dreht, treibt er es in seiner fünften Eskapade noch weiter. Anderson macht ein paar Reisekoffer sowie einen Zug zu Hauptdarstellern. Bei 'Darjeeling Limited' handelt es sich um eine bis ins Detail gestaltete fiktive indische Eisenbahnlinie. Die Koffer, exklusiv von Marc Jacobs für Louis Vuitton bzw. den Film entworfen, dürften ungefähr ein Zehntel des Gesamtbudgets verschlungen haben.
Natürlich gibt es auch menschliche Darsteller. Und die sind ebenfalls erste Klasse. Owen Wilson, Jason Schwartzman und Adrien Brody verkörpern die Brüder Francis, Jack und Peter. Auf Wunsch von Francis, dem Ältesten der drei, begeben sie sich auf eine \\"spirituelle Reise\\" durch Indien. Francis, knapp dem Tod entronnen und grotesk bandagiert, möchte sich auf diese Weise mit seinen beiden spleenigen Geschwistern vertragen. Diese zeigen sich zunächst indifferent bis unwillig, fühlen sich aber stark zu Francis' berauschender Sammlung aus Hustensirup und Schmerztabletten hingezogen. Francis kennt zudem den Aufenthaltsort ihrer verschollenen Mutter. Also setzt das Trio die nicht eben konfliktarme Reise fort.
Mit 'Darjeeling Limited' schlägt Andersons verschrobene Abkehr von der Moderne neue Kapriolen. Die Wahl Indiens als Drehort weist eher auf den Reiz einer von den Errungenschaften des späten 20. Jahrhunderts verschonten Gegend hin. Die dortige Wirklichkeit soll nicht eingefangen werden. Selbst die Figur des strengen Schlafwagenschaffners scheint am ehesten einem 'Tim und Struppi'-Comic entsprungen. Dieses \\"Indien\\" funktioniert ähnlich wie das Vietnam auf der Schultheaterbühne in Andersons 'Mount Rushmore', nämlich als extrem elaboriertes Sammelsurium samt geheimnisvollem Eigenleben. Doch nur in einer solchen Umgebung können Andersons zerbrechliche Figuren überhaupt existieren. Man darf sich deswegen nicht dazu hinreißen lassen, seine Arbeit auf reinen Formalismus zu reduzieren. Auch wenn die Filme sich immer stärker zu präzise konstruierten Schaubildern entwickeln, bleibt jeweils ein wahrhaftig emotionaler Grund zu erkennen.
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