I’m Still Here
Joaquin Phoenix im Gespräch
06.01.2012, 14:06, Text:
Martin Riemann
Unter der Regie von Casey Affleck spielte Joaquin Phoenix ein Jahr lang seine Verwandlung vom Hollywood-Star zum rappenden Freak. Und (fast) die ganze Welt nahm’s für bare Münze.
Joaquin Phoenix als HipHop-Star. Wie kommt man eigentlich auf so eine bescheuerte Idee?
Casey und ich wollten etwas machen, um das Verhältnis zwischen Prominenten, den Medien und den Konsumenten zu beleuchten. Ich war fasziniert von Reality-Shows. Sie waren grausam schlecht inszeniert, und trotzdem wurden sie als echt akzeptiert, nur weil jemand seinen tatsächlichen Namen benutzte. Der Rest entwickelte sich dann ganz von selbst. Wir machten einfach, was uns spontan als richtig erschien.
Im Film bekommt man den Eindruck, dass du permanent von Kameras »überwacht« worden bist. Warst du immer über die Aktivitäten deines Teams unterrichtet?
Ich hatte mit Casey ausgemacht, dass er mich auch heimlich filmen durfte. Wenn ich also das Haus verließ, zum Beispiel, um im Garten herumzuspazieren, musste ich immer damit rechnen, dass ich mit versteckten Kameras gefilmt wurde. Das machte mich richtig paranoid. Ich hab mich sogar wie die Figur verhalten, wenn ich mutterseelenallein war.
War dieses Doppelleben nicht ziemlich belastend?
Wir hatten geplant, nach vier bis fünf Monaten mit diesem Projekt aufzuhören. Plötzlich kamen wir aus der Sache aber nicht mehr raus. Interessant war, dass es sowieso jedem egal zu sein schien, wie unglaubwürdig das Ganze war. Die meisten hatten sogar offensichtliche Zweifel. Berichtet wurde aber trotzdem ganz normal darüber. Nach einigen Monaten hat sogar jemand aus unserem Team heimlich der Presse verraten, dass die ganze Sache ein Witz sei. Doch alle meinten, dieses Geständnis habe sich mein PR-Agent ausgedacht, um zu retten, was zu retten war. Folglich schenkte diesem Insider niemand Glauben. Das war echt ein Schock. Wir hatten natürlich immer noch das ganze Filmmaterial als Beweis, aber wir mussten den Film ja erst mal fertigstellen.
Intro empfiehlt: »I’m Still Here« (USA 2010; R: Casey Affleck, D: Joaquin Phoenix; Koch Media)
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