Picco
Foltermord in der Besserungsanstalt
07.09.2011, 15:51, Text:
Martin Riemann
Einer der beunruhigendsten Filme des Jahres handelt vom Foltermord in der Jugendstrafvollzugsanstalt Siegburg.
Sind Jugendgefängnisse nun Besserungs- oder doch eher Strafanstalten? In dem Gefängnisfilm »Picco« wird der Häftling Kevin von der Gefängnispsychologin darüber aufgeklärt, dass er der Bestrafung willen eingesperrt wurde. Dementsprechend bleiben die Jugendlichen hinter Gittern weitgehend sich selbst überlassen. Auf engstem Raum zusammengepfercht, gequält von Perspektivlosigkeit, Angst und Langeweile, vertreiben sie sich die Zeit mit der Erniedrigung schwächerer Mithäftlinge.
Auch Kevin macht zunächst mit diesen Schikanen Bekanntschaft, denn er ist ein Picco, also ein Neuzugang, der sich den Respekt der anderen erst verdienen muss. Philip Kochs Spielfilm beruht auf dem Foltermord in der JVA Siegburg, bei dem drei Häftlinge grundlos einen Zellengenossen zu Tode marterten. Koch fiktionalisiert diese Ereignisse in beklemmenden Bildern, die das abstoßende Verhalten der Protagonisten ansatzweise nachvollziehbar machen. Auffällig ist die fast vollständige Abwesenheit von Fürsorge seitens der Gefängnisleitung und der Außenwelt. In diesen Punkten wird Kochs Kritik am Jugendstrafvollzug überdeutlich.
Intro empfiehlt »Picco« (D 2010; R: Philip Koch; D: Constantin von Jascheroff, Frederick Lau; Movienet)
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