Ben Hur
Monumentalfilm Quartett
07.09.2011, 14:59, Text:
Cay Clasen
Der Meilenstein revisited: Auf Blu-ray schwitzen die Gladiatoren so monumental, dass man den Bildschirm abwischen möchte.
»›Ben Hur‹? ›Ben Hur‹? Wie oft soll ich's dir noch sagen? Ins Katzenklo, ins Katzenklo!« Jetzt ist es raus. Zwar schäme ich mich ein bisschen, doch bei »Ben Hur« muss ich zunächst an Vinnie Schtulman, seine Katze und den zweiten Teil der »Police Academy«-Reihe denken. Abseits von albernen individuellen Erinnerungen ist William Wylers episches Meisterwerk nicht nur eine der aufwendigsten und zugleich erfolgreichsten Filmproduktionen, sondern auch eines der Monumente des alten Hollywood. Im Jahr 1959 wurde Kino noch groß geschrieben und sah dementsprechend aus. Spätestens, wenn das Monumentalfilmquartett auf dem Tisch liegt, wird klar, dass »Ben Hur« der Superstich ist und bleibt: 365 Sprechrollen, rund 50.000 Komparsen, mehr als eine Million Requisiten, verteilt auf 40.000 Tonnen Mittelmeersand. Schließlich nach zweijähriger Drehzeit und einer Laufzeit von 222 Minuten noch elf Oscars bei zwölf Nominierungen.
Der Film erzählt von der großen Freundschaft und dann noch größeren Rivalität Ben Hurs (Charlton Heston) mit Messala (Stephen Boyd). Die Handlung erstreckt sich von Jerusalem über römische Sklavengaleeren in den Circus Maximus bis zur Kreuzigung Jesus Christus'. Für die Blu-ray-Veröffentlichung wurden die originalen 65mm-Aufnahmen des Breitwandmeilensteins in eine 6K-Auflösung übertragen und komplett neu restauriert. Folglich erlebt man das Wagenrennen im Circus Maximus, eine der wohl berühmtesten Szenen der Filmgeschichte, ganz neu: Die Pferdenüstern beben, die Räder wirbeln den Sand der Arena auf, der Schweiß der Wagenlenker rinnt so klar über die Lederriemen, dass man seinen Bildschirm abwischen möchte. Roberto Benigni erzählte einmal, dass »Ben Hur« der erste Film gewesen sei, den er gesehen habe. Zwar von hinter der Leinwand als »Ruh Neb« in einem Freiluftkino auf einem Feld, doch die Magie des Kinos hatte den künftigen Filmemacher unweigerlich erfasst. Warten wir mal ab, wer sich von dieser Blu-ray so alles wird inspirieren lassen.
Intro empfiehlt »Ben Hur«(USA 1959; R: William Wyler; D: Charlton Heston, Stephen Boyd, Haya Harareet, Jack Hawkins; Warner Home Entertainment)
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