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Restrepo

Eine Front gibt es nicht

21.06.2011, 14:24, Text: Alexander Dahas

Die Realität des Krieges trifft auf die Wirklichkeit des Dokumentarfilms. Tim Hetherington hat seine Doku über »Friedenssicherung« in Afghanistan nicht lange überlebt.

Als »Restrepo« eine Oscar-Nominierung als »Bester Dokumentarfilm« erhielt, war Regisseur Tim Hetherington schon am nächsten Kriegsschauplatz. Der Fotoreporter berichtete aus Misrata inmitten des libyschen Bürgerkriegs. Ein Einsatz, der ihn das Leben kosten sollte. Inzwischen ist ein Marktplatz irgendwo in der Wüste nach ihm benannt worden, ganz so, wie die amerikanischen Soldaten im afghanischen Korengal-Tal ihren Vorposten zu Ehren eines gefallenen Kameraden »Restrepo« tauften.


Juan Sebastián Restrepo war bei der Truppe beliebt, ganz im Gegensatz zum unwirtlichen Alltag im felsigen Feindesland mit dessen menschenfeindlichen Temperaturen. Offiziell hat die Truppe den Auftrag, eine Passstraße zu sichern und von Taliban frei zu halten. In der praktischen Umsetzung beschränkt sich ihr Job aufs Verschanzen und Beschossen-Werden. Die Taliban sind nie wirklich zu sehen. Doch mehrmals am Tag wird der Posten unter Feuer genommen, das die Soldaten halbherzig erwidern. Eine Front gibt es nicht bei einer solchen »friedenssichernden« Mission. Draufgehen kann man aber trotzdem. Entsprechend nebulös bleibt der strategische Sinn der ganzen Aktion.

Über 15 Monate begleitete Hetherington den Kriegseinsatz der Soldaten, von der ersten Hubschrauberlandung bis zur ersehnten Heimfahrt. Es ging ihm um die größtmögliche Authentizität. »Die blutige Wahrheit des Krieges«, wie es der Verleihtitel malerisch formuliert, braucht keine Kommentare, keine Dramaturgie und keine Tricks. Unpolitisch soll sein Film sein, und tatsächlich ist zumindest der Vorposten Restrepo eine denkbar ideologiefreie Zone. Dafür sorgt allein schon die kriegstypische Mischung aus Monotonie und ständiger Gefahr, die sich dem Zuschauer von Anfang an recht plastisch vermittelt. Vom versprochenen Computerspiel ist diese Art Krieg jedenfalls noch weit entfernt. Mit »Lebanon« und »Brothers« erscheinen in diesem Monat übrigens noch zwei weitere starke Filme zum Thema Krieg.



»Restrepo«
USA 2010
R: Tim Hetherington, Sebastian Junger; Kinowelt



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