Jigoku
Das Tor zur Hölle
21.06.2011, 11:03, Text:
Biru Binder
Was ist schlimmer: die Hölle auf Erden oder die Höllen in einem Klassiker des japanischen Horrorkinos?
Dieser Klassiker des J-Horror von Nobuo Nakagawa aus dem letzten Jahr des Studio Shintoho, das unter anderem Akira Kurosawas »Stray Dog« (1948) und Kenji Mizoguchis »The Life Of Oharu« (1952) produzierte, ist ein Muss nicht nur für Fans des Genres. Manchem Zuschauer wird beim Zusehen wohl der Atem stocken, auf dem höllischen Weg des Protagonisten Shiro (Shigeru Amachi), Student und frisch verlobt mit Yukiko (Utako Mitsuya), der Tochter seines Buddhismus-Professors. Ein paar Minuten Glück – schon taucht wie aus dem Nichts der diabolische »Kommilitone« Tamura (Yoichi Numata) neben dem braven Shiro auf.
Eine gemeinsame Spritztour wird gleich zum mehrfachen Verhängnis: Die erste Stunde spielt in der Hölle auf Erden, die restliche Zeit ist den eigentlichen buddhistischen Höllen (Japanisch: jigoku oder naraku) gewidmet. In die wird niemand aufgrund göttlichen Urteils oder Strafe gesandt, der Aufenthalt dauert auch nicht ewig, sondern schlicht sehr lang. Für die jigoku spart der gleichnamige Film nicht an bildlicher Höllenhaftigkeit. Etwa, wenn schwarze Linien auf dem Körper eines Gepeinigten mit scharfen Äxten bearbeitet werden. Das Leben allein in dieser Hölle soll ca. 1.296×1013 Jahre andauern. Stellt sich die Frage, welche der Höllen – die auf Erden oder die der naraku – die qualvolleren sind. In diesem Sinne solltet ihr euch zweimal überlegen, in wessen Auto ihr auf der Beifahrerseite einsteigt.
»Jigoku – Das Tor zur Hölle« (J 1960; R: Nobuo Nakagawa; D: Utako Mitsuya, Shigeru Amachi, Yoichi Numata; Rapid Eye Movies)
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