Harry Brown
Selbst schießt der Mann
08.11.2010, 12:58, Text:
Cay Clasen, Foto: Ascot Elite
Michael Caine brilliert in einem Film über Rache, der eher an "Ein Mann sieht rot" erinnert als an "Gran Torino".
Im Kontext des Alters des Protagonisten und des Handlungsumfelds, in dem dieser sich bewegt, wird "Harry Brown" gerne mit "Gran Torino" verglichen. Doch lässt man die Gerontologie mal außen vor, erkennt man in Harry Brown (Michael Caine) viel eher einen Bruder im Geiste Paul Kerseys, des auf Rache sinnenden Familienmenschen aus der Reihe "Ein Mann sieht rot". Denn Harry Brown beschließt nicht wie Eastwoods Walt Kowalski, aus kathartischen Gründen Gewalt durch Gegengewalt zu beenden, sondern aus viel niedereren Instinkten: Ihm geht es um Rache.
Der ehemalige Elite-Soldat und Nordirland-Veteran Harry Brown lebt in einem runtergekommenen Stadtteil im Südosten Londons, der zunehmend von Jugendgangs terrorisiert wird. Als sein bester Freund Leonard (David Bradley) ermordet wird und die Täter auf freiem Fuß bleiben, sieht Harry nur noch einen Weg: Selbstjustiz. Zwei Dinge heben die scheinbar schematische Rachestory aus dem Gros der Epigonen heraus: die realitätsnahe Darstellung eines trostlosen Milieus und das differenzierte Spiel Michael Caines.
"Harry Brown" (GB 2009; R: Daniel Barber; D: Michael Caine, David Bradley, Emily Mortimer; Ascot Elite)
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