Edge
Lebenslange Rebellion
17.08.2010, 14:04, Text:
Intro
[2 Kommentare]
„Fuck you!“ lautet der Ratschlag, den Ian MacKaye einem Kid mit auf den Weg gibt, das sich bei einem Fugazi-Konzert genauer für die Straight-Edge-Ethik interessiert.
Fragen wie die, ob man Eistee denn trinken dürfe – da sei doch Koffein drin?! –, erzählen von der Regelfixiertheit und Naivität mancher Anhänger einer Subkultur, die Drogen und promiskuitiven Sex ablehnt und sich die Energie für lebenslanges Entsagen bei Hardcore abholt. Aber vielleicht sind solche Fragen gerade an MacKaye, der als Erfinder des Begriffs Straight Edge gilt, gar nicht so falsch gerichtet, führen sie doch mitten hinein in die Diskussion um heikle Details des Lebensentwurfs.
Für alle Protagonisten, die in der Doku von Marc Pierschel und Michael Kirchner zu Wort kommen, gilt: Die Abstinenz entstand als Reaktion auf Punk, als eine Rebellion gegen die (längst als wohlfeiles Mainstream-Konsumgut verfügbare) Rebellion. In diesem Sinne ist Straight Edge die Idee einer permanenten Revolution – und nicht einer, die sich durch ihren Zerstörungsdrang in kürzester Zeit immer wieder selbst abschafft. Nur stimmt diese Revolution ziemlich genau mit den puritanischen Werten der US-Gesellschaft überein: Minus mal minus gibt plus. Man merkt, es wird schnell spannend und kompliziert. Leider schafft es „Edge“ nicht, die Leidenschaft der Filmemacher für ihr komplexes Thema rüberzubringen. Die beiden Soziologen packen das Ding eher an wie eine wissenschaftliche Arbeit, die strukturiert nach Schlagworten abgehandelt wird. Dramaturgisch kommt der Film nie in Schwung, an MacKaye oder Ray Cappo (Youth Of Today) kommt man persönlich nicht ran, die Einladung zum Dozieren der eigenen Weisheiten nehmen sie aber gerne an. Das Schöne daran ist, wie widersprüchlich diese Weisheiten sind und dass diese Widersprüche konstant mitreflektiert werden müssen. Auseinandersetzung statt Betäubung.
„Edge. Perspectives On Drug Free Culture“ (D 2009; R: Marc Pierschel, Michael Kirchner; Compassion Media / Broken Silence)
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Felix Scharlau 24.08.2010 | 11:24:01
Mobilfunk deutlich teurer
phasenweise sehr interessant, gerade dort, wo die vermeintliche moral und ethik im hardcore auf die latente misogynie der "szene" trifft. filmisch aber grausam - verschult und langweilig.
Raphael Schmidt 02.09.2010 | 13:45:06
muss ich mir unbedingt mal anschauen.
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