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Bright Star

Die Reifrockprüfung

20.05.2010, 12:36, Text: fabian wolff

Eine Liebesgeschichte ist nicht einfach zu erzählen. Jane Campion beweist mit ihrer romantic tragedy über den Dichter John Keats und die Schneiderin Fanny Brawne, dass man in dieser Kunst aber immer noch wahre Wunderwerke vollbringen kann. Von Fabian Wolff.
 
„I am certain of nothing but the holiness of the heart’s affections and the truth of imagination.“ Aus diesen Zeilen spricht ohne Zweifel ein sensibler junger Mann, der frisch – und damit ewig – verliebt ist. Sein Name ist John Keats (Ben Whishaw), heute als größter englischer Dichter der Romantik anerkannt, zu Lebzeiten im frühen 19.

Jahrhundert gezwungen, ohne eigene Unterkunft im Haus eines Freundes in der Nähe von London zu leben. Es wird ihm Talent bescheinigt, doch Meisterwerke vermag er nicht zu vollbringen – bis er die als Schneiderin ebenso talentierte Fanny Brawne (Abbie Cornish), älteste Tochter der Nachbarfamilie, kennenlernt. Sie verlieben sich, spazieren durch Wälder und Mohnfelder und küssen. Keats beginnt, Unsterbliches zu schreiben. Und doch: Heiraten können die höhere Tochter und der prekär lebende Poet nicht.
Man mag das für altbekannt halten, diese Geschichte von romantischer Naturliebe, englischem Landadel und sozialen Spielregeln, doch die sensible und kluge Regisseurin Jane Campion („The Piano“) hat mehr als nur eine weitere Reifrockrevue gedreht. In diesem fein gearbeiteten Film schlägt ein wildes Herz. Als period piece hat er mehr zu bieten als die einstudierte Behäbigkeit einer Merchant/Ivory-Produktion und ist jeder Jane-Austen-Adaption schon deswegen voraus, weil er ohne Oberschichtenironie von tatsächlichem Verlangen erzählt. Und von Verfall. Denn Keats befällt die Schwindsucht. Auf Geheiß der Ärzte soll er nach Italien ziehen, fort von Fanny, und stirbt auf der Reise, 25-jährig. Fanny näht sich ein Trauergewand und geht in den Wald, Nacht für Nacht, mehrere Jahre lang. Dabei rezitiert sie Keats’ Gedicht „Bright Star“.
Mag der Stern noch so hell glühen: Dieser Film räumt auf mit der Lüge, dass burning out besser als fading away sei (frei nach Neil Young). Hier ist ein jugendliches Paar, das für die Ewigkeit gemacht zu sein scheint und vom Tod zerrissen wird. Und wohl nichts wird es wiederbringen, so wahrhaftig die Vorstellungskraft auch sein mag.
 
Bright Star(GB/AUS/F 2009; R: Jane Campion; D: Ben Whishaw, Abbie Cornish; Universum)



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