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Red Riding Trilogy

Dem Original entkommen

15.03.2010, 14:05, Text: fabian wolff
[9 Kommentare]

Die Verfilmung des "Yorkshire-Quartetts" von David Peace killt den schlechten Eindruck, den die Vorlage hinterlassen hat – und macht aus der Historisierungsschlacht einen spannenden Krimi.
 
"1974", "1977", "1980", "1983" – mit seinem "Yorkshire-Quartett" versuchte der britische Autor David Peace so etwas wie ein historisches Porträt der Stadt jener Jahre in Gestalt eines harten Krimis. Tote kleine Mädchen und der Yorkshire Ripper, der in fünf Jahren 13 Frauen umbringt, Polizeikorruption und Grundstückspekulation, dazu noch Lokalkolorit und Zeitgeschichte – ein regelrechtes Epos sollte es werden. Doch die Romane enttäuschten mit schlecht bei James Ellroy abgeschriebenen Telegramm-Sätzen, Oberflächlichkeiten und merkwürdigen misogynen und homophoben Untertönen. Aber aus vier mach drei, aus schlecht mach gut.


Die dreiteilige Verfilmung "Red Riding", die Channel 4 2009 ausstrahlte und die jetzt in Deutschland auf DVD veröffentlicht wird, ist eine dieser Ausnahmen, von denen man immer hört: eine Adaption, die nicht einfach nur anders, sondern besser ist. Denn die Geschichte von einem Jungreporter, der die Wahrheit hinter einem Mädchenmord sucht, einem Polizisten, der eine Verschwörung wittert, und einem korrupten Kommissar, der von seiner Vergangenheit eingeholt wird, überzeugt gerade am meisten, wenn sie sich vom Grundmaterial entfernt. "Red Riding" will nicht mehr sein als ein guter Krimi. Und jeder gute Krimi versteht sich darauf zu zeigen, statt zu erklären. Die historische Atmosphäre wird nicht in den Vordergrund gedrängt, und die Charaktere können zeitweise ihrer Klischeeherkunft entkommen, mit kleinen authentischen Gesten und Tonfällen. Diese Unaufdringlichkeit ist die größte Stärke von "Red Riding". Irgendwann wird der Film doch wieder von den Romanen eingeholt. Kindermord kann Thema eines Krimis sein, und Grundstückspekulation auch. Aber sollte man diese beiden Dinge wirklich vermischen, sich eine allumfassende Verschwörung konstruieren, nur um damit seine historisierenden Ambitionen zu befriedigen? "Red Riding" bemüht sich, dieser äußerst fragwürdigen Grundkonstruktion zu entkommen.



Intro empfiehlt:
Red Riding Trilogy (USA 2009; R: Julian Jarrold, James Marsh, Anand Tucker; D: Andrew Garfield, David Morrissey; Kinowelt)



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  • User: batewoman
  • batewoman 03.07.2010 | 00:28:07

    Habe die Bücher sehr schnell hintereinander gelesen, fand sie gut erzählt und habe kein Wort verstanden. Versteht man nach den Filmen, wer was getan hat und was wie mit wem zusammenhängt? Habe übrigens die DVDs mit den englischen Folgen auch schon bei mir rumliegen - aber ohne Untertitel. Da war mir das Risiko zu groß, dass ich vor lauter Yorkshire-Akzent auch nach den Filmen nix raffe...

  • User: qwert_zuiopü
  • qwert_zuiopü 14.07.2010 | 08:51:56

    großartige filme. hab alle drei an einem abend angeschaut. hatte dabei auch keine verständnisprobleme, kann aber sein, dass ich die filme mit englischen untertiteln angeschaut habe. bevor ich die englische fassung mit deutschen untertiteln anschaue, lass ich die untertitel lieber ganz weg - und die deutsche synchronisation ist bei sowas eh meistens eine zumutung.

  • User: ms_bumblebee
  • ms_bumblebee 15.07.2010 | 11:26:02
    shredds, grates, grinds, slice
    ich fand die drei filme sowohl vom inhaltlichen verlauf her als auch sprachlich recht gut verständlich. ich habe mich allerdings mittlerweile wohl auch in das lokale englisch engehört, finde aber auch, dass das einer der einfacheren englischen dialekte ist. manche schotten versteh ich immer noch nicht.

  • hansmoleman 15.07.2010 | 11:43:09
    ...behaupte ich mal so.
    die aussprache war wirklich gut verständlich. inhaltlich fand ich es oftmals sehr verworren. man versteht's dann nach 'ner weile, aber zeitweise hatte ich immer mal wieder meine mühe.

  • hansmoleman 02.01.2011 | 00:57:57
    ...behaupte ich mal so.
    teil eins kommt übrigens heute (sonntag) um 23.30 uhr in der ard.

  • User: Vlad
  • Vlad 09.01.2011 | 03:11:40
    losing my edge
    Was für ein Jammer! Nahezu perfekte Atmosphäre, schniekes Styling, ganz als ob das Teil tatsächlich schon über 30 Jahre alt wäre. Aber leider tatsächlich eine schwer nachzuvollziehende Handlung (Kenner der Romanvorlage sind da anscheinend auch nicht im Vorteil), unsympathische bis dämliche Figuren zu hauf (wird aber durch gute Darsteller halbwegs abgefedert) und letztlich etwas dick aufgetragene Hoffnungslosigkeit.

    Keine Ahnung, ob ich mir das noch weiter antun werde. Zumal ich auch nicht sehe, wo bei diesem Ende noch irgend ein Faden für die weiteren Teile (die ja auch erst Jahre später stattfinden) übrig geblieben sein sollte - von der fies-omnipräsenten Korruption natürlich abgesehen ...

  • User: Reverend
  • Reverend 09.01.2011 | 09:10:01
    war immer aufrichtig
    Ich fand's zwar auch gelegentlich verwirrend, aber insgesamt doch aufgrund der wahnsinnigen Düsternis extrem eindrucksvoll. Und krass.

  • hjg 30.07.2011 | 02:24:49

    Die Filmumsetzung (kenne nur die Original-Version) ist gelungen.
    Was Fabian Wolff zur Textvorlage meint (auch hier kenne ich nur die
    Original-Version) halte ich für nicht diskussionswürdigen Unsinn.
    Aber wie gesagt, ich kenne die deutsche Übersetzung nicht.

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