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Che - Revolución & Guerilla

Hinterland und Dokumentenberge

23.11.2009, 11:37, Text: Cay Clasen

Steven Soderbergh setzt dem Mythos ein filmisches Denkmal, ohne sich und seinen Film an den Mythos zu verkaufen. In seinen beiden Che-Guevara-Filmen setzt der Vertreter des alternativen Hollywood auf das subtile Porträt einer vielschichtigen Figur.

Ernesto Che Guevara
. Mann, Mythos und Popikone. Arzt, Revolutionär, Guerillaführer, marxistischer Politiker und Gesicht auf T-Shirts, Buttons, Fahnen und Postern. Betrachtet man alleine diese Aufzählung von Schlagwörtern und die jeweils mögliche Geschichte dahinter, wird schnell deutlich, dass ein filmisches Porträt, welches dem Leben und Wirken dieses Mannes Rechnung tragen will, kein leichtes Unterfangen sein kann. Jedenfalls nicht, wenn man das Leben solch einer Legende nicht auf ihren Tod und den daraus resultierenden Mythos reduziert, der in Hollywood schon so oft den Stoff für stets ähnlich konstruierte Biopics lieferte. Filme, in denen schön bebildert der bereits ikonisierte und bekannte Werdegang legendärer Persönlichkeiten nacherzählt und verkauft wird.


Regisseur Steven Soderbergh entschied sich bei seiner filmischen Annäherung an den auch durch dessen frühen Tod zur Ikone einer ganzen Generation gewordenen Che für einen mehr als vierstündigen Zweiteiler. Auch schon wieder Hollywood-untypisch. Jahrelang recherchierte Soderbergh für dieses Projekt. Er interviewte ehemalige Begleiter und Waffenbrüder und arbeitete sich zudem durch zahllose Dokumentenberge. Dieser Akribie ist es vermutlich zu verdanken, dass Soderbergh den Fehler des publikumswirksameren Ausverkaufs des Symbols Che mittels bloßer Mythosbebilderung nicht begeht. Geschickt verknüpft er im ersten Teil mehrere Zeitebenen: das konspirative Treffen Guevaras (Benicio Del Toro) mit Fidel Castro (Démian Bechir) in Mexiko, die eigentliche Revolution in Kuba, ein Interview mit einer amerikanischen Journalistin sowie seine Reise nach New York und seine Rede vor den Vereinten Nationen im November 1964.


Der erste Teil, "Che - Revolución", schildert also die Erfolgsgeschichte, die Revolution in Kuba bis zu ihrem Sieg. Im zweiten Teil, "Che - Guerilla", verankert Soderbergh dann den luftigen Mythos Che endgültig wieder im Dschungel. Thematisiert werden hier der Alltag der Guerilla, nachdem Che Kuba den Rücken gekehrt hatte, sowie die Niederlage und der Tod Guevaras beim Versuch, die Revolution gegen den Widerstand des Parteiführers (Lou Diamond Phillips) und ohne Unterstützung der kommunistischen Partei erfolgreich nach Bolivien zu tragen. Soderbergh vermeidet es, die Person Che Guevara zu bewerten. Stattdessen bleibt es dem Publikum überlassen, sich aus den präsentierten Mosaikstücken Guevaras Lebens ein eigenes Bild zu machen.

Che - Revolución & Che - Guerilla (USA/F/E 2008; R: Steven Soderbergh; D: Benicio Del Toro, Démian Bechir, Lou Diamond Phillips, Franka Potente; Universum)



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aus Intro #178 (Dezember 2009/Januar 2010)
 
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