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Intro Edition Asien

Ausgabe 9 & 10: Ende klar und Ende offen

23.09.2009, 15:34, Text: Frank Geber

''Sonatine'' ist einer der besten Filme, die Regisseur Takeshi Kitano je gedreht hat: Eine Bande von Yakuza ist nicht zu retten und übt sich in Fatalismus. ''The Place Promised In Our Early Days'' leuchtet hell in Japans Anime-Universum.  Ist die Welt zu retten? Die Ausgaben 9 & 10 unserer Intro Edition Asien sind da!

''Sonatine'' ist einer der Höhepunkte in Takeshi Kitanos Filmografie. ''Ich bin erschöpft'', sagt der vom Regisseur gespielte Murakawa, bevor seine Yakuza-Truppe durch eine machttechnische Intrige und deren Folgen aus ihrer Lebenswelt hinauskomplimentiert wird.


Kurzzeitig könnte man glauben, irgendwas – und sei es nur der Himmel über dem Meer in Okinawa, wo Boss Murakawa mit seiner Handvoll Männer strandet – stehe offen. Da in dieser erzwungenen Urlaubsidylle längere Zeit niemand erschossen oder ertränkt wird, muss Letztere totgeschlagen werden. Faites vos jeux! Die Spiele, die nun aufgeführt werden – absurde Performances der Pappkameraden am Strand –, haben mehr als nur Untertöne von Gewalt und Todestrieb. Yakuza als kaputte Menschen, die sich locker machen, was, auch wenn die Lichtverhältnisse in Okinawa ihr Möglichstes zur Gesamtatmosphäre beisteuern, nur bedingt klappt. Harten Kerlen in einer beschränkten Welt helfen Kindlichkeitsanwandlungen, trotz verblüffender ungezwungener Augenblicke, auch nicht weiter. Stumpfsinn gepaart mit Improvisationstalent ergibt Fatalismus.

Der geistige Bewegungsradius der Gangster bleibt klein, Gefühle lohnen sich eh kaum. Tod ist ein gängiges berufliches Übel und das eigene Sterben schon längst so was von abgenickt. Wie gewohnt spart Kitano an schauspielerischer Gestik und Mimik, während das Skript groteske Pointen am laufenden Band liefert und die Kameraeinstellungen mit unaufdringlichem Ideenreichtum aufwarten. Bei einem Massaker ist nur Mündungsfeuerflackern zu sehen und Schussgeratter zu hören. Kitano kann keine Gewaltverherrlichung vorgeworfen werden. Auch wenn Murakawa nichts Besseres einfällt, als einen suizidalen Traum – der wiederum auf die Performance eines üblen Scherzes zurückgeht – in die Tat umzusetzen.




Ebenfalls von Träumen mit Einfluss auf die Wirklichkeit (die die Träume erfordert) durchdrungen sind die Protagonisten des Anime ''The Place Promised In Our Early Days'' von Makoto Shinkai. Ihr Zugang zur Welt ist allerdings komplexer – auch die Welt ist hier eine komplexere, nämlich Teil eines Universums, das Paralleluniversen ''träumt''. Zwei Computer- und Techniknerds und ihre zwischenzeitlich mysteriöserweise verschwundene Schulfreundin bilden ein in Empathie wie wissenschaftlichem Denken hochqualifiziertes und leider relativ geschlechterstereotypes Trio, um Japan bzw. die Menschheit zu retten. Oder doch nur sich gegenseitig? Und ist es am Ende gar kein Trio, sondern ein Liebespaar?

Das Flugzeug, das die beiden jungen Männer bauen, um zu dem rätselhaften Turm zu fliegen, der die Erde durch Materieaustausch in einen anderen Ort verwandeln könnte, strahlt in der Luft über Hokkaido jedenfalls eine Ruhe aus, die dem Krieg drum herum überlegen zu sein scheint. Bildästhetische Sorgfalt und ambitionierte, feinfühlige Erzählung mit offenem Ende.



Sonatine (J 1992; R: Takeshi Kitano; D: Aya Kokumai, Tetsu Watanabe; Rapid Eye Movies)

The Place Promised In Our Early Days
(J 2004; R: Makoto Shinkai; Rapid Eye Movies)

Mehr Infos zur Edition Asien unter www.intro.de/editionasien.

 



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