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Choke – Der Simulant

Intro empfielt: Die Wahrheit über Schweine

23.09.2009, 14:53, Text: Lars Brinkmann

Hilfe zur Selbsthilfe: Wahrheit statt Realität zeigt Clark Greggs ''Choke''. Die Verfilmung eines Romans von Chuck ''Fight Club'' Palahniuk bietet außerdem dunkle Comedy und bunten Wahnsinn. Jetzt schon ein Klassiker der ganz besonderen Art.

Es beginnt mit einer dieser Selbsthilfegruppen, wie man sie aus einer der besten ''Fight Club''-Szenen kennt. Victor Mancini (Sam Rockwell) ist Mitglied der anonymen Sexsüchtigen. Mit der Abblende des Titels setzt sein Kommentar ein: ''Wir sind alles Legenden. Sie haben sicherlich schon davon gehört: die hübsche Hausfrau, wie man sie kennt. Die Freunde platzen in die Überraschungsparty herein und finden sie mit gespreizten Beinen vor dem Familienhund, der ihr gerade die Erdnussbutter von der Stelle zwischen den Schenkeln leckt.


So etwas passiert wirklich! Oder die hübsche Cheerleaderin, die ...'' Wenige Szenen später vertieft unser Protagonist als Tutor der Gruppe die Beziehung zu einer seiner Schutzbefohlenen. Die Wände wackeln, und schnell ist klar: Er ist ein Schwein. Wenig später: Er ist ein armes Schwein. Seine Mutter, dargestellt von der göttlichen, mit jedem Lebensjahr noch besser werdenden Anjelica Huston, leidet an Demenz und hält ihn bei seinen Besuchen regelmäßig für einen ihrer vielen Rechtsanwälte. Sein bester Freund ist Denny (überragend: Brad William Henke), ein freundlicher Riese und chronischer Masturbator. Zusammen arbeiten sie in einem Museumsdorf. Hier müssen sie in entwürdigender Verkleidung Tag für Tag die Illusion vom braven Pionier füttern. Abends täuscht Victor in Nobelrestaurants Erstickungsanfälle vor. Ja, er ist ein Schwein. Am Ende vielleicht sogar ein Glücksschwein.



''Choke'' bietet alles, was uns die Goldenen Kühe der Popkultur versprochen, aber nie gehalten haben: eine gelungene Vermählung von dunkler Comedy, dunklem Drama und buntem Wahnsinn – das krasse Gegenteil von episch unkomischem Dreck wie ''Being John Malkovich''. Kein Film für Checker, aber auch nicht für die großen Lacher. Weder Eye-Candy aus der MTV-Schule noch grittiger Neo-Realismus auf den Spuren der (Exil-) Italiener. ''Choke'' zeigt Wahrheit statt Realität. Weil das reale Leben oft surreal genug ist. Es ist eine der besonderen Qualitäten dieser zweiten Verfilmung eines Romans von Chuck Palahniuk, dass sie trotz irrwitziger Haken so gänzlich unaufgeregt daherkommt, das Tempo mehrmals verschleppt und ganz offenkundig auf alles scheißt, was ''hip'', ''cool'' oder ''stylish'' sein könnte. Das Regie-Debüt von Clark Gregg, als Darsteller aus zahlreichen Filmen wie „Iron Man“ bekannt, hat alles, was einen geheimen Klassiker auszeichnet: die kleinen Fehler und den großen Atem. Palahniuk-Fans seien aber gewarnt: Die Geschichte endet nicht mit einer Steinigung. Dennoch hat ''Choke'' auch dem Meister gefallen ...

Choke – Der Simulant (USA 2008; R: Clark Gregg; D: Sam Rockwell, Kelly Macdonald, Brad William Henke; Koch Media)



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aus Intro #176 (Oktober 2009)
 
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