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Intro Edition Asien 7 & 8

Lynch und Chomsky

28.08.2009, 12:28, Text: Gabriele Scholz

Sezierte Gefühle und internationale Politik sind die Themen des neuesten Doppelpacks aus der Intro Edition Asien: Takashi Miikes Horrorklassiker "Audition" und Mitsuru Meikes Softporno, der George W. Bush den eigenen Mittelfinger zeigt. Von Gabriele Scholz.

In diesem Monat überrascht die Edition Asien von Intro und Rapid Eye Movies mit zwei verstörenden Filmen, die sich einen Dreck um herkömmliche Filmkonventionen scheren.


Dem Film "Audition" des unberechenbaren japanischen Regisseurs Takashi Miike eilt ein Raunen aus Horrorfilmkreisen voraus - und das nicht zu Unrecht, wie sich allerdings erst nach etwa einer Stunde herausstellt: Zunächst werden wir in Sicherheit gewogen und Zeuge einer sich langsam entfaltenden düster-melancholischen Liebesgeschichte. Der vereinsamte Witwer Aoyama lässt sich von seinem Freund dazu überreden, die titelgebende "Audition" zu organisieren - die hauptsächlich dazu dienen soll, eine neue Frau für Aoyama zu finden. Der gemäßigte Macho verliebt sich gleich in die engelhafte Asami. Doch je mehr er von dem Vorleben der jungen Frau erfährt, desto mehr gerät er in Lynch-artige Grenzbereiche der menschlichen Wahrnehmung, die viel mit der von Missbrauch, Tod und Verstümmelung geprägten Kindheit Asamis zu tun haben. Und genau wie der Witwer beginnt der Zuschauer den Boden unter den Füßen zu verlieren. Der Film kippt in eine Art feministisches Splattermovie. Eine schonungslose, perfide Medien- und Gesellschaftskritik also und ein auch handwerklich toll gemachter und herausragend gut gespielter B-Movie.



Zum Runterkommen trinkt man nun vielleicht ein Glas Sake und schiebt den bizarren Pinku eiga - das heißt auf Japanisch einen "rosa Film", einen Softporno - "The Glamorous Life Of Sachiko Hanai" des Regisseurs Mitsuru Meike in den Player. Sachiko ist ein Callgirl, das mit seinen Klienten bevorzugt Lehrerin und Schüler spielt. In diesem Zusammenhang kommt es gleich zu Beginn zu einem der vermutlich längsten Samenergüsse der Pornofilmgeschichte. Sachiko wird dann unfreiwillig Zeugin einer Schießerei in einem Café, in deren Verlauf der Bösewicht auch ihr eine Kugel mitten in die Stirn verpasst. Sachiko überlebt, ihre schönen Sinne aber geraten ein wenig durcheinander, so ist sie auf einmal hyperintelligent, kennt sogar Noam Chomsky (kicher) und muss sich zudem mit dem Phänomen herumschlagen, dass sie alle Sinneseindrücke mit Verspätung erreichen. So merkt sie erst eine halbe Stunde später, dass sie ihren Kaffee völlig überzuckert hat, oder bekommt orgiastische Lustanwandlungen etliche Zeit nach dem eigentlichen Beischlaf - oft zu unpassenden Zeiten, wenn sie zum Beispiel mit der Familie eines Professors, der auf Chomsky so was von abfährt, zu Abend isst oder gerade alle ferngesteuerten Interkontinentalraketen der USA abfeuern möchte. Der Film besticht durch die trashige Idee mit dem Mittelfinger-Duplikat des vormaligen US-Präsidenten und durch sympathische Darsteller: Es gibt eine Menge unangenehmere Arten, einen lauen Sommerabend zu verbringen - zum Beispiel beim Bierchen mit George Bush im Rosengarten des Weißen Hauses ...



Audition (J 1999; R: Takashi Miike; D: Ryo Ishibashi, Eihi Shiina; Rapid Eye Movies)
&
The Glamorous Life Of Sachiko Hanai (J 2003; R: Mitsuru Meike; D: Kyoko Hayami; Rapid Eye Movies)

Mehr zur Intro Edition Asien unter www.intro.de/spezial/editionasien.



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aus Intro #175 (September 2009)
 
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