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Crips & Bloods

Bandencheck: Special zum DVD-Release

27.07.2009, 15:29, Text: Lars Brinkmann

Skate-Legende Stacy Peralta porträtiert in seiner Dokumentation "Crips & Bloods" die beiden größten Gangs der USA, die sich seit vielen Jahren bürgerkriegsähnliche Kämpfe liefern. Und der Film hat weitaus mehr zu bieten als einen historischen Abriss. Von Lars Brinkmann.

Das Bild steht Kopf, die Wolkenkratzer wachsen dicht gedrängt wie Stalaktiten vom Himmel. Als die Häuser flacher werden, kippt die Kamera und erlaubt den Blick auf Los Angeles. Auf diesen unendlichen Sprawl, der sich bis zum verschwommenen Horizont erstreckt und William Gibson zu seiner gleichnamigen Serie inspiriert hat. Aus der Luft betrachtet, wirkt die Stadt angenehm entrückt, so irreal wie die Utopie eines durchgeknallten Stadtplaners.


Doch nach zwei Minuten katapultiert uns eine Schnittparade in die Realität zurück. Tonblende: von Dopebeats zu Sirenen. Schüsse. Nachtaufnahmen. Der amerikanische Filmemacher Stacy Peralta widmet sich nach Skater-Legenden ("Dogtown And Z Boys") und Surfern ("Riding Giants") den beiden größten Gangs des Landes: Crips & Bloods. Trotz der erschwerten Rahmenbedingungen brilliert er in seiner jüngsten, gleichnamigen Dokumentation mit denselben Tugenden, und es gelingt ihm, seinen Interview-Partnern intimste Bekenntnisse zu entlocken. Ehrliche Geschichten, ohne Auslassungen des Misstrauens.

Es gibt einen Moment im letzten Drittel des Films, der muss auch dem härtesten Gangbanger die Tränen in die Augen treiben. "This is a man's, man's world", aber auch die Härtesten haben eben Mütter, Großmütter und oft auch Schwestern oder Tanten. Diese Frauen, die im übrigen Film gespenstisch abwesend sind, stehen nun da und gucken wortlos in die Kamera, während am Bildrand zu lesen ist, wen sie verloren haben. Manche weinen. In South Central sind als Resultat der Auseinandersetzung, die völlig zu Recht als "urban war" bezeichnet wird, fünfmal so viele Menschen gestorben wie im Irlandkonflikt. Peralta beleuchtet die Geschichte der beiden Gangs, der Stadt und ihrer Auseinandersetzungen so weit, wie das in 90 Minuten möglich ist.

Trotz der nötigen Konzentration auf die Gegenwart zeigt "Crips & Bloods" auch die Vorgeschichte von den ersten afroamerikanischen Bürgern der Stadt über den verhaltenen Optimismus der 50er-Jahre bis zu den ersten Unruhen in Watts, 1965. Weitere traurige Highlights sind die Anfang der 80er einsetzende Crack-Epidemie und die L.A.-Riots 1992. Und kurz bevor man resigniert denkt, dass es ab da eigentlich nur noch weiter und steiler abwärts gehen kann, belehrt uns der Film eines Besseren. Das vorläufige Ende sei nicht verraten, aber: Es gibt Hoffnung. Noch.



Crips & Bloods (USA 2008; R: Stacy Peralta; Sunfilm)

Unser Special zum DVD-Release am 14.8.: www.intro.de/cripsandbloods. Empfohlen von Intro!




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