Intro Edition Asien
Jetzt neu auf DVD: "Sakuran" und "Haze"
23.07.2009, 18:06, Text:
Christian Meyer
Zwei Arten von Gefangenschaft: In Mika Ninagawas 18.-Jahrhundert-Popmärchen "Sakuran" befreit sich die Kurtisane Kiyoha aus den Mauern eines Bordells. Shinya Tsukamotos "Haze" zeigt die beklemmende Lage eines Mannes im dunklen Schacht.
Die Teile 5 & 6 der "Intro Edition Asien" könnten unterschiedlicher kaum sein: ein minimalistischer Horrorstreifen und ein pompöses Melodram mit Musical-Einlagen. "Ich werde mein Leben aus eigener Kraft zum Blühen bringen", prophezeit Kiyoha (Anna Tsuchiya), die Hauptfigur in "Sakuran".
Sie wird mit acht Jahren an ein Bordell verkauft. Als Kurtisane gibt sie sich von Anfang an widerspenstig. Allerdings beherrscht sie die Kunst der Verstellung, wodurch es ihr gelingt, eigene Interessen durchzusetzen. Kiyoha kämpft im 18. Jahrhundert zunächst für die größtmögliche Freiheit in der Gefangenschaft - und am Ende sogar für die absolute Freiheit.
Japans bekannteste Fotografin Mika Ninagawa hat mit "Sakuran" einen populären Manga-Comic realverfilmt. Herausgekommen ist großes Popspektakel, ein knallbunter Historienfilm mit zeitgenössischen Musical-Einlagen, der seine Protagonistin als Popstar inszeniert und das Bild von im Glas gefangenen Goldfischen zum Leitmotiv erhebt.
Eine andere Art der Gefangenschaft bildet die Ausgangslage von "Haze". Sie kommt einem womöglich bekannt vor, zumindest, wenn man "Cube" gesehen hat. Vincenzo Natalis Horrorfilm setzte einen Haufen Leute in ein abstraktes Bauwerk voller tödlicher Tücken, letztlich überlebt nur einer das Gemetzel. "Haze" lässt "Cube" wie ein aufgemotztes Hollywood-Spektakel erscheinen. In Shinja Tsukamotos Labyrinth herrscht nicht der gut ausgeleuchtete High-Tech-Schrecken von "Cube", hier ist das Grauen wirklich grau. Und eng. Und hart.
Der von Tsukamoto dargestellte Protagonist ist ganz auf sich gestellt. Seine physische Notlage ist so beklemmend inszeniert, dass für die Frage nach dem Warum, die Natalis Film beherrscht, keine Luft bleibt. Tsukamoto, der Ende der 80er-Jahre mit technoidem Industrial-Horror bekannt wurde ("Tetsuo - The Iron Man") und mit "Vital" eine poetische Sinnlichkeit ins Todesspiel brachte, legte 2005 mit "Haze" einen archaischen, existenzialistischen Horrortrip vor. Das kommt dem, was man sich des Nachts so an wirrem und nur rudimentär dramaturgischem Alb zusammenträumt, viel näher als sämtliche "Saw"- oder "Hostel"-Folgen. Dabei ist "Haze" gerade einmal 50 Minuten lang. Viel länger würde man diese permanente körperliche Anspannung wohl auch nicht aushalten.
Mehr zur Intro Edition Asien unter www.intro.de/spezial/editionasien.
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