Zabriskie Point - Linksintellektuelle auf Kriegspfad Artikelbild (groß)

Zabriskie Point

Linksintellektuelle auf Kriegspfad

09.06.2009, 18:45, Text: Martin Büsser

Michelangelo Antonionis Anti-Establishment-Klassiker "Zabriskie Point" war auf DVD bislang nur in der Kabel-Eins-Reihe "Die besten Filme aller Zeiten" erhältlich. Nun kommt endlich eine würdige Edition des einstigen Skandalfilms in den Handel. Von Martin Büsser.

Ursprünglich sollte John Fahey die Filmmusik zu "Zabriskie Point" aufnehmen. Antonioni lud ihn nach Rom ein und zeigte ihm den Film. Fahey erinnert sich in seiner Erzählung "Antonioni": "Wisst ihr, was der Kerl mir vorführen ließ? Einen ganz furchtbaren und elend langen Softporno."


Regisseur und Musiker überwerfen sich nach einem Disput über Amerika und den Kapitalismus. Am Ende schreibt Fahey: "Und als der Film dann ins Kino kam, konnte man ja deutlich sehen, dass es sich um einen der schlechtesten Filme aller Zeiten gehandelt hat." John Fahey steht mit seiner Meinung ziemlich alleine da. Die "Softporno"-Szenen im Death Valley, wo nackte Paare sich im Sand wälzen, gehört zu den suggestivsten Momenten der Filmgeschichte. Unvergesslich ist auch das Ende des Films, in seiner antikapitalistischen Radikalität nur vergleichbar mit dem vom Pixies-Soundtrack untermalten Schluss von "Fight Club": Zur Musik von Pink Floyd sehen wir, wie eine Villa gesprengt wird, wobei offen bleibt, ob diese Sprengung wirklich stattfindet oder nur Wunschdenken der Protagonistin Daria ist. Antonioni genießt diesen terroristischen Akt und zeigt ihn in meditativer Langsamkeit.



Kein Wunder, dass "Zabriskie Point" in den USA zum Skandal wurde und sogar - erfolglos - Prozesse wegen seiner antikapitalistischen Botschaft geführt wurden. Die amerikanischen Gegner des Films, darunter auch John Fahey, empörten sich vor allem über das negative Bild der USA, das ihnen ausgerechnet von einem Europäer vorgesetzt wurde. Doch "Zabriskie Point" ist nicht einseitig. Der Film zeigt auch ein anderes, auf Hoffnung und Utopie aufbauendes Amerika, verkörpert von Daria und dem linken Studenten Mark, der vor der Polizei auf der Flucht ist, gegen Ende von dieser gestellt und erschossen wird. Diese junge Generation der Aufständischen setzt Antonioni deutlich von einem alten Amerika ab, das noch tief vom John-Wayne-Mythos geprägt ist, zeigt aber auch, dass ihr Protest zum Scheitern verurteilt ist. Über weite Strecken wirkt "Zabriskie Point" wie ein moderner Western, in dem nicht Indianer, sondern Linksintellektuelle den Kampf gegen schießwütige Cowboys aufgenommen haben.



Intro empfiehlt:
Zabriskie Point (USA 1970; R: Michelangelo Antonioni; D: Mark Frechette, Daria Halprin, Rod Taylor; Warner)



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