Silver Surfer - Neues auf Blu-Ray Artikelbild (groß)

Silver Surfer

Neues auf Blu-Ray

05.05.2009, 14:33, Text: Alexander Dahas

Okay, geschenkt. Superheldencomics sind Seifenopern für spät entwickelnde Stubenhocker, die ihre Allmachtsfantasien gerne von einem zweidimensionalen Cast in Panels umgesetzt sehen wollen.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Zeichner von DC, Marvel und Co. immer wieder angewiesen werden, zusätzliche Muskelpartien zu erfinden, um die immergleichen Heldenposen noch martialischer aussehen zu lassen. Und die vielgerühmte Doppelbödigkeit "gebrochener" Charaktere à la Batman und Spiderman?


Bestenfalls eine Übung in Cartoon-Esoterik, schlimmstenfalls die pure Glorifizierung lupenreiner Vigilanz. Für die einschlägigen Genreverfilmungen gilt Ähnliches: Filmstudios sehen die Leinwandadaptionen der Bildergeschichten vor allem als Cashcows, die dem pubertierenden Publikum noch einmal den Status quo unterjubeln, hochstilisiert als Kampf zwischen Gut und Böse, der selbst Meilensteinen wie "Watchmen" die politische Brisanz nimmt.
Bei den "X-Men" liegt der Fall etwas anders. Die traditionsreiche Comicserie stellt eine zentrale Frage: Wie viel Anderssein möchte die Gesellschaft ertragen, vor allem, wenn dieses Andere in vielerlei Hinsicht überlegen zu sein scheint? Oder umgekehrt: Wie viel Enthusiasmus kann man einer argwöhnischen Majorität entgegenbringen, die relativ ressourcenarm an Gegenliebe ist?



In Professor Xaviers Hochbegabten-Institut werden nämlich in erster Linie diejenigen in Toleranz unterwiesen, die diesen Charakterzug eher vom Hörensagen kennen. Gestaltwandler, Monster und Mutanten. Und im übertragenen Sinne eben auch alle Teenager, die sich mit ihren Lebenswelten in der Erwachsenenrealität sehr deplatziert fühlen. Das "Böse" ist dabei Auslegungssache.



Xaviers Gegenpart heißt Magneto (überlebensgroß: Ian McKellen), und dessen Emanzipation definiert sich vor allem über die Definitionshoheit, die sein Außenseiterstatus genauso gut mit sich bringen könnte. Womit wir wieder bei der Megalomanie wären. Dass große Macht auch großes Verantwortungsbewusstsein impliziert, ist bei "X-Men" kein Lippenbekenntnis - die Trilogie favorisiert anders als etwa Kollege Hulk den Diskurs über den Aktionismus.



Regisseur Bryan Singer spürte schon in "Der Musterschüler" den Versuchungen des Willens nach, mit "X-Men" findet er die große Bühne des (amerikanischen) Alltags. Dass es ihm dabei gelingt, Lektionen in Demut mit der Bildsprache der Sprechblasenkultur zu verknüpfen, gereicht nebenbei der gesamten Neunten Kunst zur Ehre. Gadgets und Gehalt sind eben doch nicht unvereinbar.



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
X-MEN
Alle Artikel von Alexander Dahas
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 

DVD-EMPFEHLUNGEN

Das neue Fernsehen - Neu auf DVD & Blu-ray

Das neue Fernsehen

Neu auf DVD & Blu-ray
... mehr



 
 
DIE FILMSTARTS DER WOCHE
Drive - Und weitere Filmstarts und Trailer der Woche

Drive

Und weitere Filmstarts und Trailer der Woche
... mehr

 
Anzeige