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13 Tzameti

Essenz des Abknallens

05.05.2009, 13:18, Text: Martin Riemann

Vielleicht ein Grund, warum Amokläufer die Gesellschaft irritieren: Eine angelegte Knarre bietet keinen Trost. In George Babluanis "13 Tzameti" wird deutlich, dass die Ballerei nur der Selbsterhaltung dient. Selbstzerstörung versteht sich von selbst. Martin Riemann berichtet.

Was wäre das Kino ohne Handfeuerwaffen? Manchmal scheint es, Film wurde extra wegen ihnen erfunden. Das ist natürlich falsch. Er dient in erster Linie dem Ablichten sexueller Aktivitäten. Fast genauso beliebt: gegenseitiges Bedrohen mit vorgehaltener Waffe und Erschießen auf kurzer Distanz. Die Qualität vieler Filme wird davon abhängig gemacht, wie viel Sorgfalt in die Inszenierung bleidurchsiebter Leiber floss.


Eine ganze Industrie beschäftigt sich deswegen mit der Herstellung ästhetisch anspruchsvoller Einschusswunden. Professionelle Schauspieler müssen den Eindruck erwecken können, von der Wucht eines Geschosses durch die Gegend geschleudert zu werden oder gar marionettenartig einen von mehreren Treffern gesteuerten Todestanz aufs Parkett zu legen. Doch immer, wenn man denkt, dieses Treiben böte nichts Neues mehr, kommt ein Film wie "13 Tzameti" und liefert ganz lapidar eine Essenz des Abknallens in Schwarz-Weiß.



Der Gelegenheitsarbeiter Sébastien folgt in der vagen Hoffnung auf finanziellen Gewinn dem Ruf einer Organisation, die in waldiger Abgeschiedenheit einen speziellen Wettsport veranstaltet. Dafür braucht sie bloß verzweifelte Männer, ein paar Revolver und eine große Glühbirne. Die Männer müssen sich mit den Pistolen bewaffnet im Kreis aufstellen, die Trommel mit einer Patrone laden, die Trommel mehrmals drehen, den Revolver auf den Kopf des jeweiligen Nebenmannes richten und warten, bis die in der Mitte des Kreises hängende Glühbirne aufleuchtet. Dann müssen sie abdrücken. Wer stehen bleibt, hat sich für die nächste Runde qualifiziert. Wer am Ende überlebt, ist Sieger. Das Vergnügen des gut betuchten Publikums besteht darin, hohe Summen auf die Schützen zu setzen. Die individuellen Tragödien der Teilnehmer werden von der Banalität des Wettgeschäfts überlagert. Der unwissende Sébastien muss ebenfalls an dem makabren Roulette teilnehmen. Immerhin kann er auf einen Geldpreis hoffen.

Babluanis Debütfilm mag zwar nur eine dünne Handlung vorweisen, aber das ist seine Stärke. Die simple Idee wird so kaltschnäuzig und geradlinig umgesetzt, als hieße es, 100 Jahre Filmballerei auf den Punkt zu bringen. Das sinnlose Ritual des Anlegens, das durch Abertausende von Filmen und Büchern in immer wieder andere sinnvolle Kontexte gepresst wurde, findet in "13 Tzameti" zu seiner eigentlichen Nichtswürdigkeit zurück. Demnächst in Bunt und aus Hollywood mit Mickey Rourke, Sam Riley, Jason Statham und 50 Cent!

Intro empfiehlt:
13 Tzameti (F 2005 R: George Babluani; D: George Babluani, Pascal Bongard, Olga Legrand; Alamode)



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