Die Tragödie der Belladonna - Pakt mit dem Teufel Artikelbild (groß)

Die Tragödie der Belladonna

Pakt mit dem Teufel

25.02.2009, 12:19, Text: Olaf Möller

"Die Tragödie der Belladonna" ist einer der faszinierendsten Animes aller Zeiten. 1973 sorgte er auf der Berlinale für Verwirrung. Heute noch lässt er sich mit Gewinn betrachten. Man lernt etwas über Hexen und die teuflische Macht der Bilder. Von Olaf Möller.

Als vor einigen Jahren Animationsfilme in den Wettbewerben der großen A-Festivals aufzutauchen begannen, taten alle so, als sei das was wahnsinnig Innovatives und Gewagtes; obwohl sie einst, in den 60ern und 70ern, mit schöner Regelmäßigkeit zum Programmalltag gehörten, auch wenn man sie nur selten mit dem ihnen gebührenden Interesse rezensierte. Einer der faszinierendsten Animes aller Zeiten, Yamamoto Eichis "Tragödie der Belladonna", lief 1973, im Jahr seines Entstehens, auf der Berlinale, wo er, zeitgenössischen Kritiken zur Folge, vor allem für Verwirrung, manchmal auch blanke Bestürzung sorgte. Dass der Film auf seine Weise bahnbrechend war, wollte keiner verleugnen. Nur wollten viele auch nicht jene Bahn, die er da brach, betreten, geschweige denn ihr folgen.


Belladonnas Tragödie basiert auf Jules Michelets "La Sorcière", einer 1862 erschienenen Studie über das Wesen der Hexe. Darin wird sie - in den Worten des Historikers Wolfgang Behringer - als Ärztin des Volkes und Kämpferin gegen feudale Unterdrückung betrachtet, welche von einer Verschwörung der Fürsten und Juristen, Theologen und Mediziner gnadenlos verfolgt wurde. Ihr Einsatz jedoch blieb unvergesslich. Ein Kraftquell des Kampfes gegen Unterdrückung. Man bedenke, dass auf Michelet u. a. der Begriff der Masse als politisch-historischer Kategorie zurückgeht ...

Ein in den frühen 70ern also zeitgemäß aufgeladener Stoff, wusste man ihn entsprechend zu lesen. Yamamoto ersann - anders als etwa Benjamin Christensen, der sein weitläufig vergleichbares Monument "Haexan" 1920 als Essay/Traktat anlegte - für Belladonna eine einfache Fabel, durch die er Michelets Thesen und Konzepte in eine populärwissenschaftlich griffige Form bringen konnte: Der Film erzählt die Geschichte der Magd Jeanne (wie in: Jeanne d'Arc), die von einem Tyrannen vergewaltigt, bald von den Feudalmächten verfolgt wird und schließlich einen Pakt mit dem Teufel eingeht. Und zwar in einem Stil, der sich filmhistorisch kaum vergleichen lässt: Weite Teile des Films bestehen aus Klimt, Schiele, Mucha, Rops etc. nachempfundenen Gemälden, die von der Kamera erforscht werden. Wenigen Animationen. Die Dynamik der Bilder selbst sowie die Stimmen sorgen für die Bewegungen; immer wieder unterbrochen von psychedelisch anmutenden Zwischenspielen, in denen angemessen hemmungslos dem Eros in all seinen Spielarten gehuldigt wird.

Die Tragödie der Belladonna
J 1973
R: Yamamoto Eichi; Rapid Eye Movies




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aus Intro #169 (März 2009)
 
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