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TannhäuserSterben & Das Tod

Geht unter die Netzhaut

25.02.2009, 12:12, Text: Wolfgang Frömberg

Thomas Mahmoud und Gerald Mandl of Von-Spar- bzw. Mediengruppe-Telekommander-Fame legen ein kleines Gesamtkunstwerk vor, das den Namen auch verdient. Ihre DVD in der Edition Mutation visualisiert die akustische Version des täglichen Wahnsinns. Von Wolfgang Frömberg.

Auch wenn man entweder selbst verstrickt ist in alle möglichen Zusammenhänge von Kunst schaffenden und anderen kulturell schweißtreibenden Angelegenheiten - oder einfach fassungslos der Masse an Scheißegal-Produkten gegenübersteht: Es gibt doch immer wieder Seiltänze ausgemachter Individualisten auf den seidenen Fäden der in der Morgendämmerung einer besseren Zukunft schimmernden Netzwerke geistesverwandter Spinner zu beobachten, die einen in ihrer Mischung aus Gelassenheit und Wagemut, aus Selbstverständlichkeit und Extravaganz in Erstaunen versetzen können.


Solch einen Balanceakt, bei dem es weder darum geht, Berge zu versetzen, noch darum, Gipfel zu erstürmen, bieten auch TannhäuserSterben & Das Tod dem liebesmüden Publikum dar: Thomas Mahmoud und Gerald Mandl haben in vier Nächten nicht nur Selbstgespräche geführt, sondern mittels Laptop, schwingender Basssaiten und einem Haufen Effekt-Geräte live ein 40-minütiges Song-Monster geboren, das sie pragmatisch in vier Stücke mit sinnigen Titeln wie "Urschleim" oder "Freischwimmer" unterteilten. Die klingen nach heftigem Warp-Antrieb mit improvisatorischem Geschick - aber auch nach einem rumpelnden Industrial-Update und geisterhaftem Hörspiel. Musik wird hier allerdings nicht nur als Sound gedacht. Sie soll im Kontext der dazu entstehenden Bilder aufgeführt und gehört werden. Ordentliche Regisseure (Markus Wambsganns, Martin Sulzer, sic, Daniel Berwanger) kümmern sich ums Visuelle - in der illustren nichtkommerziellen Gesellschaft ist ihr Handwerk noch gefragt. Auf der Homepage der Edition Mutation, über die jede der handverlesenen, 101 einzigartig verpackten DVDs zu einem Spottpreis zu haben ist, findet man die Namen weiterer Verschwörer, die bereits bei der Edition bzw. im Mutationsclub (an verschiedenen Orten, in verschiedenen Medien, zu unterschiedlichen Zeiten) blankgezogen haben. Als da wären Zuckerzeit, Mark Terkessidis oder Namosh. Es lässt sich erahnen, dass in den Filmen, von denen hier nicht als Clips gesprochen werden soll, keine Geschichten über oder von den Tracks erzählt werden. Vielmehr geht es um Schnitte und Lichtwechsel im Rhythmus der Intentionen, die dem Wahnsinn zugrunde liegen. Spinnerte Zerstörungswut, nackte Existenz, kosmische Ethik, Alltag im Dunkeln? Womöglich. Man darf auf die kommenden Performances von TannhäuserSterben& Das Tod gespannt sein. Mit MIDI-Controllern unterm Arsch - und neuen Erkenntnissen.

TannhäuserSterben & Das Tod (D 2009; R: Markus Wambsganns, Martin Sulzer, sic, Daniel Berwanger; M: TannhäuserSterben & Das Tod; www.editionmutation.de)




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aus Intro #169 (März 2009)
 
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