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Muratti & Sarotti

Geschichte des deutschen Trickfilms 1920-1960

25.02.2009, 12:04, Text: Matthias Schneider

Mit seinem rhythmisch geschnittenen Film "Berlin: Die Sinfonie einer Großstadt" hat Walter Ruttmann 1927 Kinogeschichte geschrieben.

Bereits 1930 griff er bei seiner Radiohörspiel-Montage "Weekend" die Sampletechnik vorweg. Fast unbekannt sind jedoch Ruttmanns erste filmische Gehversuche im Bereich des Trick- und Animationsfilms. Mit seiner Kurzfilmreihe "Lichtspiel Opus I-IV" gehörte Ruttmann zu den Pionieren des deutschen Avantgarde- und Animationsfilms, die mit Form, Farbe und Rhythmus sowie der Sichtbarmachung von Klängen und Tönen experimentierten.


Die Anfänge des Trickfilms sind in Deutschland sehr eng mit dem Werbefilm verbunden: Zu den gelungensten Symbiosen aus Werbe- und Experimentalfilm gehört Oskar Fischingers zeitlos schöner Muratti-Zigaretten-Werbespot, dessen sinfonische Gesamtkonzeption aus Grafik, Licht und Ton bahnbrechend war. Während der Herrschaft der Nationalsozialisten emigrierten zahlreiche Filmemacher ins Ausland, weshalb für Hitlers ehrgeiziges Ziel, ein deutsches Pendant zu Walt Disney aufzubauen, Zeichner aus den besetzten Gebieten verpflichtet wurden. In beiden Teilen Nachkriegsdeutschlands fristete der Animationsfilm fortan ein trauriges Dasein in der Werbebranche. Die künstlerischen Ambitionen der Muratti-Spots waren in den Sarotti-Filmen nicht mehr gefragt. Erst Mitte der 60er-Jahre sollten diese von einer neuen Generation von Trickfilmmachern wiederentdeckt werden.

Der Dokumentarfilmer Gerd Gockell hat sich für "Muratti & Sarotti" in deutsche Filmarchive begeben, wo Schätze der Animationskunst vor sich hin schlummern, da sie von Filmhistorikern kaum beachtet werden. Denn ähnlich wie der Comic tragen Animationsfilme den Stempel der Infantilität. Gockells Dokumentation präsentiert großartige Werke der Animationskunst und regt eine längst überfällige Auseinandersetzung mit diesem spannenden Thema an.


Muratti & Sarotti. Geschichte des deutschen Trickfilms 1920-1960 (D 1999; Herausgeber: Gerd Gockell; Absolut Medien)



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