Redacted / Where In The World Is Osama Bin Laden / Battle For Haditha
Krieg der Regisseure
18.02.2009, 17:26, Text:
Wolfgang Frömberg
Wahre Begebenheiten unter unvorstellbaren Umständen: Brian De Palma, Morgan Spurlock und Nick Broomfield versuchen auf je eigene Weise eine Annäherung an den Krieg im Irak, "Dschihad" und "War On Terror". Die Wirklichkeit aber ist schwer darzustellen.
Es sind die Medien, die den Krieg dort verbreiten, wo keine Bomben fallen. Das hat Regie-Legende Brian De Palma selbstredend verinnerlicht. Das Medium Film, dessen Wirkung und Psychologie waren schon immer Thema seiner Hitchcock-Variationen, die - zuletzt in der ziemlich vermurksten Ellroy-Verfilmung "Black Dahlia" - von Möglichkeit und Problematik des fiktionalen Kinos und dessen Dramaturgie erzählten. De Palmas "Redacted" offenbart die Abgründe, welche sich nicht nur in der Wirklichkeit auftun, sondern auch in den Künsten. Der Regisseur wählte für seine Auseinandersetzung mit dem Irak-Krieg eine Story nach einer wahren Begebenheit: Im März 2006 vergewaltigte ein US-Soldat ein 14-jähriges irakisches Mädchen in einem Dorf südlich von Bagdad namens Mahmudiyah - und brachte das Opfer und dessen Familie um. In De Palmas Fiktionalisierung übernehmen zwei ausgewachsene Psychopathen den Job, was ihm den Vorwurf einbrachte, ohne Rücksicht auf die tatsächliche individuelle Tätergeschichte den Vorgang zu verharmlosen.
Doch bleibt die Inszenierung des Tathergangs für einen Kriegsfilm erstaunlich prägnant, und die Frage muss einfach lauten: Wer vertritt im Namen der USA "Freiheit" und "Demokratie"? Eine umso spannendere Frage, da Veteranen selbst sich oftmals von der öffentlichen Wahrnehmung ausgeschlossen fühlen. De Palma gesteht den Soldaten Mittel zu, die in Zukunft verstärkt zu einer eigenen Öffentlichkeit führen könnten. Er behält sich aber vor, als Regisseur alter Schule über das pseudodokumentarische Material zu verfügen - der Mann sieht sich gern selbst beim Schneiden zu. Niemand wollte je behaupten, Krieg sei harmlos, egal, welche Soldaten in wessen Namen welche konkreten Verbrechen begehen. Doch in den Argumenten seiner Befürworter erscheint er immer wieder unvermeidlich. Das gilt für den "Dschihad" wie für den "War On Terror", deren (Hinter-) Gründe und dialektische Spannungen Morgan Spurlock ("Super Size Me") vorgeblich erkunden wollte. Mit der Frage "Where In The World Is Osama Bin Laden?" im Gepäck reiste er durch den Nahen Osten, Saudi-Arabien und Pakistan, um kurz vor dem Aufeinandertreffen mit seiner Nemesis pünktlich zur Entbindung des Sohnemannes in die Heimat zurückzukehren. Noch mehr Zwietracht zwischen Fiktion und Wirklichkeit gibt es nur noch in Nick Broomfields "Battle For Haditha", der sich betont "realistischer" als "Redacted" mit einem wahren Fall aus dem Irak-Krieg befasst.
Intro empfiehlt:
Redacted
USA 2007
R: Brian De Palma; Kinowelt
"Where In The World Is Osama Bin Laden" & "Battle For Haditha" (ebenfalls via Kinowelt)
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