Your Mommy Kills Animals
Kampfansage Tierrecht
18.02.2009, 17:18, Text:
linus volkmann
Curt Johnsons Film rückt die Machenschaften der US-Geheimdienste gegen Tierrechtsaktivisten und die Gewaltfrage auf beiden Seiten genauso ins Licht wie fragwürdige Praktiken beim Animal-Charity-Großmogul PETA.
In keiner Diskussion wird mehr Abschaum und Verkommenheit hochgespült als bei jener ums Tierrecht. Zuletzt hielten die Kollegen der Jungle World über Monate einen Text-Disput unterschiedlichster Autoren wach, dessen wenig progressiver Ausgangspunkt bei "Pro & Contra Fleischessen" feststeckte - und der so vielen szenelinken Popjourno-Karnivoren ermöglichte, ihr individuelles Versagen, also das ausgeblendete Mitgefühl für Tiere, zu irgendwelchem kruden Verschwörungstheorie-Bashing hochzujazzen. Das Stück Fleisch schien mitunter fast strammer Antifaschismus - immerhin war doch Hitler Vegetarier. Tja, da helfen keine Pillen. Nach solchen brandaktuellen Verdunklungskriegen wünscht man sich direkt zurück zum tendenziösen Blick des einfachen Tierfreunds. Was filmisch allerdings meist Bilder produziert, die nur in Schlachthaus und Tod dröhnen.
Diese Empörungsversicherung vermeidet "Your Mommy Kills Animals". Also keine Folterbilder-Doku. Also zumindest, wenn man den Anfang übersteht, in dem Wissenschaftler einem weinenden Beagle mehrfach mit der Faust ins Gesicht schlagen. Danach entfaltet sich vor allem ein interessanter Blick auf die Gewaltfrage sowie auf die herrschende Praxis der großen Tierrechtsorganisationen. Besonders den big player PETA rückt der Film in ein sehr ungünstiges Licht. Da sich von deren Seite niemand zu äußern bereit war, bleibt unwidersprochen der Vorwurf, dass sich die ethische Behandlung aus dem PETA-Namenskürzel ("People for the Ethical Treatment of Animals") nur darauf beschränke, anvertraute Tiere aus Tierheimen selbst umzubringen, statt sie zu vermitteln. Wobei O-Töne im Film aufkommen von Menschen, die Tierkadaver aus der PETA-Obhut in Müllcontainern hinter Supermärkten fanden. Ebenfalls großen Raum nimmt der begleitete Prozess gegen einige Tierrechtler von SHAC ("Stop Huntingdon Animal Cruelty") ein, die vom US-Geheimdienst zu den größten heimischen Terrorgefahren für das Land deklariert wurden. Zwei der eher putzigen denn militanten Nerd-Studenten aus dieser Gruppe konnte letztlich nichts nachgewiesen werden außer dem Betreiben einer Webseite, die Tierbefreiungsaktionen dokumentiert - dennoch sehen sie sich am Ende des Films mit einem Abschreckungsurteil konfrontiert, das ihnen fünf bzw. sechs Jahre Haft aufbürdet.
Unterm Strich bleibt eine stilistisch reizvolle, an allen angerissenen Punkten interessante, erhellende, bedrückende Doku.
Your Mommy Kills Animals (USA 2007; R: Curt Johnson; Mindjazz Pictures)
Zu den im Film unwidersprochenen Vorwürfen gegenüber PETA haben wir die deutsche Dependance befragt, und Florian Radke (Ex-Musiker von ZSK) gab jene Antworten, die auf DVD noch fehlten. Hier geht's lang zum Online-Exklusiv-Interview!
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