TRIBUTE
Herbert Achternbusch
18.02.2009, 17:07, Text:
Martin Büsser
Der Nil, gespielt von Herbert Achternbusch, kann die sechs Millionen von den Nazis ermordeten Juden nicht vergessen. Sein Arzt verschreibt ihm, für jeden ermordeten Juden einen Schnaps zu trinken. Doch es will nicht gelingen.
Auf der Reise nach Sizilien, Schnaps für Schnaps trinkend, stürzt sich der Nil in den Stromboli, in "Das letzte Loch" - so der Titel von Achternbuschs preisgekröntem Film aus dem Jahre 1981. Was sich auf dem Papier wie ein geschmackloser Witz liest, ist ein Meisterwerk des deutschen Autorenfilms. Ganz anders als seine Kollegen Fassbinder, Wenders und Schlöndorff drehte Herbert Achternbusch in den 1970er- und 1980er-Jahren groteske Komödien, deren Witz nicht verschleiern kann, dass es sich um das Provokanteste handelt, was das deutsche Kino der Nachkriegszeit zu bieten hat. Gegenüber einem Film wie "Bierkampf" (1977), wo Achternbusch als Polizist verkleidet über das Oktoberfest torkelt und die Besucher so lange attackiert, bis sie ihn verprügeln, wirkt Schlingensiefs "Deutsches Kettensägen-Massaker" nur noch wie ein flaues Windchen.
Achternbusch, der seine Heimat Bayern mit Inbrunst gehasst hat und deshalb am Ende von "Servus Bayern" (1978) nach Grönland ins Exil geht, hat die konservative, von der Kohl-Regierung eingeleitete Wende voll zu spüren bekommen: 1982 verweigerte ihm CSU-Innenminister Zimmermann sämtliche Fördermittel, die Achternbusch für "Das letzte Loch" zugesichert waren. Anlass war "Das Gespenst": Jesus steigt in einem bayerischen Kloster vom Kreuz, um u. a. auf dem Viktualienmarkt mit zwei Schnapsgläsern nach "Scheiße für die Polizei" zu betteln. Die CSU wertete den Film als Gotteslästerung, Katholiken protestierten vor den Kinos, in Österreich wurde er erst gar nicht gezeigt. Für den Filmemacher Achternbusch war dies der finanzielle Ruin. Er sollte zwar weiterhin Filme drehen, doch ohne Budget ist ihm nie mehr ein mit "Bierkampf" oder "Servus Bayern" vergleichbares Meisterwerk gelungen. Anlässlich des 70. Geburtstags veröffentlicht Pierrot Le Fou eine 5-DVD-Box mit den Filmen "Das Andechser Gefühl", "Das Gespenst", "Die Atlantikschwimmer", "Die Olympiasiegerin" und "Hick's Last Stand". Ein Anfang ist gemacht.
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