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Eden Log

Neues auf Blu-ray

08.12.2008, 16:29, Text: Martin Riemann

Totale Orientierungslosigkeit. Nicht wenige Zeitgenossen leiden darunter und schauen Filme, um wenigstens für kurze Zeit der Illusion zu erliegen, dass irgendetwas nach Plan läuft. "Eden Log" (Sunfilm) bietet bis wenige Minuten vor Schluss keinen solchen Halt.

Der Held, eine ungeschlachte Gestalt namens Tolbiac (der zukünftige Asterix-Darsteller Clovis Cornillac), erwacht im schlammigen Grundwasser eines riesigen unterirdischen Gebäudes. Wie so viele Filmhelden vor ihm weiß er genauso wenig wie der Zuschauer, wer er ist und wo er sich befindet. Wegen der äußerst spärlichen Lichtverhältnisse ist es auch schwierig zu erkennen, wie Tolbiac aussieht und was er tut. Klar ist nur, dass er sich durch eine Mischung aus Wurzelgestrüpp und Industrieschrott über mehrere Etagen nach oben kämpft, wobei er von ebenfalls schwer einzuschätzenden Mutanten belästigt wird. Schließlich erweist sich die heruntergekommene Anlage als eine Art Kraftwerk, dessen Energie aus einem riesigen Baum generiert wird.


Tolbiac gelingt es, mit der Pflanze eine Art spirituelle und körperliche Beziehung einzugehen. Franck Vestiels Regiedebüt ist ein Angriff auf die Sehgewohnheiten des Publikums. Andere Filme sind düster, "Eden Log" ist dunkel. Bis auf wenige pulsierende Lichtflecken bleibt der größte Teil der Leinwand über lange Zeit schwarz. Mancher Zuschauer dürfte das als Zumutung, manch anderer wiederum als Innovation empfinden. Vestiel bemerkte dazu halb im Scherz, es sei bedauerlich, dass man zum Filmen überhaupt Licht brauche. Er beschränkt sich deswegen gerade am Anfang auf winzige Lichtquellen, die den Entdeckungsgeist des Publikums heraufordern und bewusst die Anfänge der Filmtechnik reflektieren. Vestiels Stil ist stark von avantgardistischen Comics von Zeichnern wie Moebius, Enki Bilal und Philippe Druillet beeinflusst. Damit beruft er sich auf dieselben Inspirationsquellen wie z. B. das Art-Department von "Alien". Das dunkle organisch wirkende Setting erinnert teilweise auch an den Monsterklassiker, nur findet in "Eden Log" so etwas wie Suspense oder Horror nicht statt. Seinen Produzenten Cédric Jiminez hat Vestiel nicht enttäuscht. Der wollte einen "Film, wie man ihn noch nie gesehen hat". Und den hat Vestiel mit seiner konsequenten Absage an Konventionen auf jeden Fall abgeliefert.



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aus Intro #167 (Dezember 2008 / Januar 2009)

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