Feast
USA 2005
08.12.2008, 16:16, Text:
Lars Brinkmann
Der Vorspann. So etwas wie ein Super-8-Film. Eine Schaufel kratzt einen halb verwesten Hundekadaver von der Straße. Der Film springt. Die verzerrte Todesfratze des Hundes im Close-up. So close, dass man den Gestank fast riechen kann.
Einblendung: "Feast". Keine Namen, keine Details. Wechsel zwischen Farbe und Schwarzweiß. Ein langsamer 180-Grad-Schwenk. Schnurstracks führt der Highway zum Horizont, rundum Wüste. Ein Mann trägt den Hund auf der Schaufel an den Straßenrand, Einzelheiten versinken in grabtiefen Schatten. Weit erstreckt sich das Land von West Texas, in seiner gleichförmigen Ödnis nur mühsam von spärlicher Vegetation unterbrochen. Der Kameraschwenk endet wieder auf dem Highway und zeigt auch in der entgegengesetzten Richtung dieselbe unendliche Weite. Schwarzblende. Breitwandformat: Ein Auto prallt gegen einen Pfosten. Schwarz. Aus dem Schrott streckt sich eine Hand. Schnitt. Eine Angeberkarre biegt vom nächtlichen Highway bei einer Tankstelle ein, um vor einem Bums zum Stehen zu kommen. Der Sticker an der Stoßstange verrät: "My other toy has tits." Kein Land für subtile Spielereien. Das war die erste Minute. In genau zehn Minuten wird die Hölle losbrechen. Alles beginnt damit, dass der erste Held von vielen hereingestürzt kommt, kryptische Befehle schreit und den überdimensionierten Kopf irgendeiner Kreatur auf die Theke knallt.
"Ein Tipp für zu Hause: Wenn man Kunstblut kauft, das falsch oder unrealistisch aussieht, muss man einfach Zuckercouleur dazugeben. Echtes Blut sieht nicht wie Kirschsirup aus, sondern braun und schmutzig." Der Mann für die Special-Effects weiß, wovon er redet, und kommt ins Schwärmen, wenn er sich an die Dreharbeiten erinnert. "Das Heftigste war das Blut. Viel, sehr viel Blut. Gallonen, Tonnen - und immer noch mehr Blut." Die Doku-Serie über die Entstehung eines Films vom Skript bis zur Premiere, "Project Greenlight" von Ben Affleck und Matt Damon, hat in der dritten Season endlich einen Hit hervorgebracht: "Feast". Bösartig, blutig und billig, ein Monsterfilm wie er sein sollte: von erlesen schlechtem Geschmack.
Feast (USA 2005; R: John Gulager; D: Balthazar Getty, Henry Rollins, Navi Rawat, Judah Friedlander; Ufa)
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