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Paranoid Park

USA 2007

08.12.2008, 16:09, Text: Frank Geber

Miss Marple hätte diesen Fall schnell aufgeklärt, der Polizist in Gus Van Sants Film ist nicht gerade eine Spürnase. Die Ermittlungen spielen allerdings keine besondere Rolle, nur insofern, dass etwa ein Foto vom Tatort eine Bewusstwerdung bei dem jugendlichen Skater Alex in Gang setzt.

Um diese Bewusstwerdung kreist der Film. Szenen werden wiederholt und mit zusätzlichen Bildern aufgefüllt. Alex war unabsichtlich am gewaltsamen Tod eines Security-Guards beteiligt. Die Zeit springt ein wenig, wie es halt so vonstatten geht beim Erinnern. Auch die Bilder springen - in einen anderen Modus, vom faktischen Geschehen zum Tagträumerischen (für das dokumentarische Aufnahmen von Skatern herhalten).


Was ist passiert, wie hängen Situationen zusammen, was ist wichtig, was macht das Teenagerleben aus und was hat das opake Gesicht von Alex zu all dem zu sagen? Wie verhält es sich zu etwas, was man Gesellschaft zu nennen hätte, wenn es nicht bloß aus zweifelhaften Funktionen bestehen würde, die zudem nicht einmal mehr ernsthaft ausgefüllt werden. Die Kamera fährt Alex hinterher, wie er auf dem Skateboard Bekanntschaft mit dem "Paranoid Park" schließt, einem illegal errichteten Skaterareal, dessen vages Outsiderversprechen ihn anzieht. Dem Blickkontakt zu einem älteren Typen, mit dem Alex hier ins Gespräch kommt, gesteht Van Sant eine ungleich größere Intimität zu als Alex' erstem Sex mit seiner von der Warenwelt allzu deformierten Freundin. Es sind Bilder entstanden, die wie frisch gefunden aussehen, Gegebenheiten aufreißen, unvorhersehbar kombiniert mit Musik, die mal als krasser Stimmungs- und Stilbruch Distanz schafft, eine zu festgefahrene Interpretation des Sichtbaren anrempelt und aus den Angeln hebt (um letztlich vielleicht doch illustrativ zu wirken, aber sehr frei, offen, entschieden), mal als Illustration zu weiträumig wird, sich löst, aus dem Bild skatet, während Skaterkids in Zeitlupe in der Luft hängen.


Intro empfiehlt:
Paranoid Park (USA 2007; R: Gus Van Sant; D: Gabe Nevins, Daniel Liu; Pierrot Le Fou)



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aus Intro #167 (Dezember 2008 / Januar 2009)

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