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A Cross The Universe

Gott ist Rock'n'Roll

08.12.2008, 15:57, Text: arno raffeiner

Warum kann uns der alte Adorno nicht mal in Frieden abschalten und zu den Fertigprodukten des Entertainments durchdrehen lassen? Weil Labels wie Ed Banger, Remixmaschinen wie die Crookers oder Acts wie Boys Noize eben einfach zu virtuos auf der Klaviatur des Fun-Imperativs spielen.

Man durfte schon Aufregenderes erzählen: Das Gros erfolgreicher (elektronisch fabrizierter) Popmusik 2008 funktioniert wie ein System wider die Langeweile. Und es muss sich auch genau als solches präsentieren. Gaspard Augé und Xavier de Rosnay von Justice haben das von Beginn an verstanden - und sie haben auch ihre Lektionen in Selbstinszenierung und Rockstarposing gelernt. Folgerichtig ist "A Cross The Universe", der gemeinsam mit Romain Gavras und So-Me gedrehte einstündige Videoclip zu einer Nordamerikatour des französischen Duos, nur ein weiterer Beweis für die alte Erkenntnis: Gott ist Rock'n'Roll - und natürlich auch umgekehrt.



Da versteht es sich von selbst, dass sich der Anfang des Drehbuchs wie folgt liest: Es werde Licht! Als Referenzen für den folgenden Bilderreigen in schnellen Schnitten und verwaschenem, grauem Licht müssen mindestens die Beatles (Titel) und Lemmy Kilmister (Look) herhalten. Dass der Rock'n'Roll von Justice dabei ganz ohne Gitarren und Mikrofone auskommt, ist erstens egal und zweitens - zu Theodor W. Adornos Ärger und Bestätigung - als konsequenter Fortschritt zu werten. Die üblichen Klischees lassen sich auch so überzeugend aneinander reihen: Schnaps, Groupies, Nightliner, Ekstase, Prügelei, Verhaftung. Wer nach dem "Stress"-Videoclip von Romain Gavras Skandalöses von diesem Tourfilm erwartet hat, wird sich enttäuscht sehen. Die recht anspruchslos montierten Bilder gehorchen jener Logik, die beispielsweise auch das Vice-Magazine als wirksamen Langeweilekiller einsetzt: Wow, wie cool! Wow, was für ein Freak! Wow, wie geil! Alles in allem eine Veranstaltung für Fans. Trotzdem dürfen sich die keinen Blick hinter die Kulissen erhoffen. Denn auch was sich backstage, bei der Poolparty oder auf den Pritschen des Tourbusses abspielt, ist immer Teil der Gesamtinszenierung. Wie der Gaspard und der Xavier im richtig echten Leben so drauf sind, das wollen sie der Kulturindustrie lieber vorenthalten. Schließlich haben sie ihre Lektion gelernt.


A Cross The Universe (R: Romain Gavras, So-Me, Justice; Warner)



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aus Intro #167 (Dezember 2008 / Januar 2009)

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