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Global Metal

International Noise Conspiracy

08.12.2008, 15:50, Text: Lars Brinkmann

Sam Dunn und Scott McFadyen sind nach "A Headbanger's Journey" zum zweiten Mal dem Metal auf der Spur. Diesmal wagen sie den Sprung durch mehrere brennende Kulturkreise. Lars Brinkmann gegenüber berichten die Filmemacher, welche Erkenntnisse ihre Weltreise brachte.

Der Dschihad kann abgeblasen werden. Eine Werte zersetzende Unkultur hat sich bereits über alle Grenzen der Religion und Weltanschauung hinweg in die Ritzen der Welt gesetzt und wie das Unkraut, dass sich nach der Zivilisation die Ruinen zurückerobert, starke Wurzeln ausgeprägt. Sam Dunn und Scot McFadyen, die Macher von "Global Metal", sind sich einig: Es kann passieren, was will, Metal wird bleiben. Daran lässt auch der Nachfolger ihrer ersten, ebenso erfolgreichen wie liebevollen Dokumentation "A Headbanger's Journey" keinen Zweifel.


Als bestes Sinnbild der virusartigen Ausbreitung mag das berühmte Slayer-Graffiti in Bagdad gelten. Irgendwann nach dem Ausbruch des Golfkrieges wurde dem Bassisten Tom Araya ein Foto zugespielt, das den riesigen Schriftzug seiner Band an einer bröckeligen Mauer zeigte. Ein paar ihrer Fans, mutmaßlich Soldaten der Generation Kill, hatten es kurz nach dem Bombardement in Bagdad fotografiert. "Global Metal" beweist, dass es zweifellos auch schon vor dem Einmarsch irakische Slayer-Fans gab. Aber der Film erschöpft sich nicht in bizarren Randnotizen und purem Metalexotismus. Natürlich ist es zunächst lustig, Indern beim Headbangen zuzusehen. Dennoch merkt selbst der Laie, dass die Fans von einer sehr tiefgehenden und international vereinenden Liebe erfüllt und ja, beflügelt werden. Für "Global Metal" sind McFadyen und Dunn in aller Herren Länder gereist, um dort den Metal zu suchen. War das die logische Konsequenz aus "A Headbanger's Journey"?

Scot McFadyen: "Wir wussten, dass uns der Film mehrere Jahre unseres Lebens kosten würde und wir wollten nicht wirklich eine Fortsetzung machen. Also haben wir uns überlegt, was wir wirklich machen wollen, was für uns interessant wäre (lacht). Und das war eine Art substanziell andersartige "Ankopplung". Wir waren auf zig Festivals wie z. B. dem in Taiwan. Überall strömten uns dieses Metalfans entgegen, dazu die ganzen Emails. Es war überwältigend. So wurden wir neugierig, wie eine Subkultur wie Heavy Metal globalisiert wurde. Darüber gibt kaum etwas zu lesen, schon gar nicht von Akademikern." Sam Dunn fügt hinzu: "Das beginnt sich gerade zu ändern. Aber ‚A Headbanger's Journey' war auch Stoff, den wir kannten - eher eine Art von Verteidigung des Metals. Das musste einfach mal passieren, es musste nur mal jemand machen: aufzustehen und die Musik auf eine respektvolle Art zu präsentieren, einfach darüber zu sprechen, was manchen Menschen Metal bedeutet. Mit dem zweiten Film war es uns wichtig, dass wir etwas tun, bei dem auch wir etwas Neues lernen. Nach China, Indonesien, Israel zu gehen, war ein Weg zu verstehen, wie anders Metal sein kann, je nachdem, aus welcher Kultur er kommt."

Und die signifikantesten Unterschiede der Szenen im globalen Vergleich? Sam: "Ein gutes Beispiel ist diese im etablierten Metal beliebte ‚Style versus Substance'-Diskussion. Diese Art von binärem Denken ist eine westliche Angelegenheit. Das wird z. B. in Japan ganz anders gesehen. Wir tendieren dazu, Visual-Kei-Bands geringzuschätzen, weil sie "only in it for the outfits" zu sein scheinen. Aber in der japanischen Kultur kann diese Form von Style und künstlerischer (Selbst-)Präsentation bereits eine Kunstform an sich darstellen. Das wird vom Publikum genauso honoriert wie musikalisches Können. Unsere Dokumentation zeigt, dass die verschiedenen Kulturen auch je eigene Regeln ausprägen. Wir hatten ursprünglich nach so etwas wie der großen Rebellion in der japanischen Musik gesucht, weil Metal immer gegen irgendwas zu rebellieren hat, gegen die Eltern, gegen die Regierung … bis wir bemerkten: Shit, wir haben die ganze Zeit nach der falschen Sache gesucht."
Lars Brinkmann

Intro empfiehlt:
Global Metal
(USA 2007; R: Sam Dunn und Scot McFadyen; Universal)



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aus Intro #167 (Dezember 2008 / Januar 2009)

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