Blaues Grauen: Planet Terror / Deathproof – Todsicher / Halloween / Zimmer 1408 / Der Nebel
Konjunktur des Schreckens
24.10.2008, 09:03, Text:
Johanna Fink
Der faulige Atem des Horrorgenres weht so kräftig durch die Kinosäle wie schon lange nicht mehr. Früher wurde das Gros des übersinnlichen Outputs mit lachhaften Summen finanziert. Heute engagiert sich Hollywood mit hohen Budgets für Monster, Spuk und Psychokiller. Das führt sogar dazu, dass sich pulpfixierte Filmemacher wie Quentin Tarantino und Roberto Rodriguez nach den billigen Trash-Filmen zurücksehnen. Mit großem Aufwand und Starbesetzung ahmen sie deren Modelle detailgetreu nach. Das “Grindhouse”-Projekt der beiden Sleaze-Afficionados erinnert - künstliche Filmrisse inklusive - an die Blütezeiten des Exploitation-Kinos.
Rodriguez setzt mit “Planet Terror” ohne Reue auf Blut, Gedärm und herrliche Dialoge. Er zeigt sich mit diesem kalkulierten Irrsinn erstaunlich treffsicher. Die liebevoll zusammengestückelte Handlung beinhaltet sowohl Zombies als auch Nackttänzerinnen mit großkalibrigen Beinprothesen. Die Blu-ray-Version bietet einen Filmkurs und die Präsentation der einzelnen Charaktere. Dazu werden die Stunts beleuchtet. In Tarantinos “Deathproof – Todsicher” übernahm eine Stuntfrau sogar eine der Hauptrollen. Neben todschicken Autos gibt es noch mehr schlagfertige Frauen und extrem spektakuläre Autounfälle zu bestaunen. Die Extras widmen sich u.a. der Stuntcrew, den Frauen und Kurt Russell. Der hat mit der Figur des Stuntman Mike einen ungemein charismatischen Serienmörder geschaffen. Einer der berühmtesten Vertreter dieser Gattung wiederum ist Michael Myers. Seit John Carpenters Klassiker “Halloween” (1978) mordet er sich in immer neuen Inkarnationen durch die Gemeinde. Die Metal-Ikone Rob Zombie liefert mit seinem “Halloween” einen Einblick in die Persönlichkeit des ursprünglich gesichtslosen Killers. Wir lernen etwas über Myers problematische Kindheit in einer White-Trash-Familie und über die Hintergründe seiner Mordlust. Und ja, wir sehen nicht nur Myers Gesicht, sondern hören sogar seine Stimme. Selbstverständlich geht das nicht auf Kosten der Ästhetik der Morde, die wesentlich grausamer in Szene gesetzt wurden als im Original. Beim Bonusmaterial findet man ein alternatives Ende, 17 entfallene Szenen und ein Interview mit dem sadistischen Regisseur.
Wem nach dem ganzen Gemetzel der Sinn nach subtilerem Schauder steht, kann sich mit John Cusack ins “Zimmer 1408” begeben. In der Stephen King-Verfilmung spielt er einen zynischen Autor, in dessen Büchern es um angeblich verhexte Orte geht. Natürlich glaubt er überhaupt nicht an Geister, bis ihn ein extrem böswilliges Hotelzimmer in die Mangel nimmt. Regisseur Mikael Hafström setzt den schrecklichen Raum höchst effektiv in Szene, vor allem im Director’s Cut, der sich ebenfalls auf der Disc befindet. Auch die Blu-ray-Version von Frank Darabonts King-Verfilmung “Der Nebel” wartet mit einer besonderen Alternativfassung auf. In dieser offenbart der Film nicht nur inhaltliche Parallelen zum Paranoia-Kino der 50er, sondern ist sinnigerweise auch komplett in Schwarz/Weiß gehalten. Das macht die Geschichte um geheimnisvolle Monster, religiösen Fanatismus und gefährliche Gruppendynamik noch beklemmender. Im Handel erhältlich (Senator)
erschienen in Projektor Dezember 2008 (Promotionbeilage von Intro)
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