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Quentin Tarantino

Tribute

16.09.2008, 14:45, Text: Tim Stüttgen

Mittlerweile führt die Logik, mit der Quentin Tarantino in den 90ern Star des neuen Hollywood-Kinos wurde, ab und an noch zu einem schicken Film. Zur Nachahmung ist ein Leben, das sich ihr verschreibt, jedoch eher nicht mehr zu empfehlen.

Vor fünfzehn Jahren aber war so eine Vita originell: Arbeite in einer Videothek und verleibe dir jede halbwegs charakteristische Einstellung rarer B-Movies ein. Sei Nerd und Forscher, studiere das Abwegige des Kinos! Werde Pulp-Spezialist und darauf folgend: Regie-Genie mit Karriere in Hollywood UND Distinktion des B-Movie-Undergrounds!


Die Tarantino-Story ist ein typisches 90er-Jahre-Modell. Die Alternative-Version des Tellerwäscher-zum-Millionär-Traums. Ein amerikanisches Märchen. Der Typ, der in Vorstellungsgesprächen als Schauspieler behauptete, in Godards "King Lear" oder Michael Jacksons "Thriller" mitgespielt zu haben. Der Typ, den man trotz lustiger Cameos in z. B. "From Dusk Till Dawn" eigentlicht nicht vor der Kamera braucht, aber umso mehr hinter ihr. Der Typ, der mit seinem Kumpel Roger Avary ein scheinbar unverfilmbares 5-Stunden-Drehbuch für ein Roadmovie schrieb, aus dem nachher Tony Scotts "True Romance" und Oliver Stones "Natural Born Killers" wurden. Der Typ, der nicht nur Schauspieler-Karrieren relaunchte (wie die von Pam Grier, Darryl Hannah, Michael Madsen, Robert Foster), sondern auch Kollegen wie Wong Kar-Wai hypete, bis die europäischen Verleiher auf sie aufmerksam wurden und bald schon die erste Palme winkte.

Der vielleicht letzte große amerikanische Cineast. Dieser Typ ist mittlerweile selbst ein Klassiker. Dass Selbstinszenierung und Jugendtraum zu genau diesem Ziel führen, ist beachtlich, liegt vielleicht aber auch am durchaus vorhandenen Talent von Herrn Tarantino, dem damals Harvey Keitel Geld für die Realisierung seines Debüts "Reservoir Dogs" gab, weil niemand anders in Hollywood dazu die Eier hatte. Der Rest ist, wie die Götter so schön säuseln, Geschichte.

Eine gute Handvoll Filme später und vor dem Dreh des Weltkriegsdramas "Inglorious Bastards" (mit Brad Pitt, Daniel Brühl und Til Schweiger!) hageln jetzt noch mal die DVD-Specials auf den Markt: "Kill Bill" in Steelbox, "Grindhouse" als Double-Feature-Box und "Sin City Recut". Letzteres vielleicht mit neuen Perspektiven. Ich hätte mich ja mindestens noch für einen fiktiven Trailer seines geplanten Remakes von Russ Meyers "Faster Pussycat Kill Kill Kill" interessiert, in dem der 90er-Jahre-Pornostar Tera Patrick eine Hauptrolle übernehmen soll. Aber na gut, dann halt noch mal die Klassiker.



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