Zodiac - Die Spur des Killers
USA 2007
18.08.2008, 17:00, Text:
Wolfgang Frömberg
David Fincher lieferte mit "Zodiac - Spur eines Killers" nicht nur seine beste Regie-Arbeit, er filterte aus den wahren Begebenheiten sowie der Vorlage von Robert Graysmith auch eine durch und durch amoralische Medienkritik heraus. Jetzt im Director's Cut.
Wenn es um Serienmörder geht, ist nicht selten von deren Faszination die Rede. Websites leben von der Erinnerung an die Ermordeten - und nicht selten vom Merchandising mit den Insignien der Täterikonen. Regisseur David Fincher hat nach "Sieben" seinen zweiten Spielfilm über einen Serienmörder gedreht: In "Zodiac" nimmt sich Fincher den Killer vor, der als Erster die Medien nutzte, um Werbung in eigener Sache zu machen. Den perversen Vogel gab es tatsächlich.
Mythen und Rätsel ranken sich um diesen Zodiac, der Ende der 60er-, Anfang der 70er-Jahre mindestens sieben Menschen in der Gegend von San Francisco umbrachte und die Presse und Polizei mit handschriftlichen Briefen sowie codierten Nachrichten in seinen Bann zog. Einige konnten nie entziffert werden. Kryptische Hinweise Zodiacs auf die eigene Identität führten weder zu Enttarnung noch Festnahme. Der Fall wurde berühmt, aber trotz der vielen Verdächtigen bietet er keinen eindeutigen Protagonisten - dafür umso mehr offene Fragen.
Das Drehbuch von James Vanderbilt basiert auf den Büchern von Robert Graysmith. Jener von Jake Gyllenhaal verkörperte Karikaturist arbeitete 1969 beim San Francisco Chronicle, als dort Zodiacs erster Brief eintrudelte. David Fincher kontrolliert den Pulsschlag der Handlung und des Publikums. Er hält die Waage zwischen Whodunnit und Suspense - Wert 10,0 auf der Hitchcock-Skala. Der ruhige Flow der Erzählung ergibt sich gerade aus der relativ nüchternen Darstellung der in der Tat teils bizarren Mordfälle und aus der Beschreibung der Spuren, in denen sich die einzelnen Ermittler verlaufen. Die in den Fall verwickelten Einzelkämpfer (alles Männer) trauen schließlich nur noch sich selbst, ihre Bündnisse wirken zaghaft.
Es mag sein, dass der echte Hauptverdächtige Arthur Leigh Allen, der 1992 nach einem Herzanfall verstarb, letztlich von fehlerhafter Beweisaufnahme, schlampiger Zeugenvernehmung, den Grabenkämpfen der Behörden sowie purem Glück profitierte, sodass er nie überführt wurde. Fincher und Vanderbilt stellen wie der Bestseller-Autor Graysmith den gesamten Apparat in Frage, der durch solch einen mediengeilen Schurken einerseits in Schwung und gleichzeitig aus dem Rhythmus gebracht wird. Doch letztlich gibt es auch für sie kein Entkommen aus der Falle der eigenen Faszination für einen brutalen Mörder. Falls Zodiac wider Erwarten noch am Leben ist, dürfte er sich von dieser kunstvollen Hommage geschmeichelt fühlen.
Zodiac - Die Spur des Killers (USA 2007; R: David Fincher; D: Jake Gyllenhaal, Mark Ruffalo, Robert Downey Jr.; Warner Home Video)
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