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Fahrraddiebe

I 1948

18.08.2008, 16:44, Text: Frank Schuster

In Zeiten von Prekariat und Hartz IV mutet die Eingangssequenz - ist sie auch Schwarz-Weiß und hat sich die Mode geändert - gar nicht so fremd an: Arbeitslose stehen auf der Straße, warten auf Jobs, die regelrecht verlost werden (Aki Kaurismäki kopierte die Szene später in "Ariel").

Einer von ihnen, Antonio, bekommt den Zuschlag. Er darf fortan Plakate kleben. Einzige Bedingung: Er braucht ein Fahrrad. Kaum gekauft, ist es gestohlen, was ihn auf eine Odyssee durch Rom führt, während der er von einem Unglück ins nächste schlittert. "Fahrraddiebe" aus dem Jahr 1948 steht immer wieder auf Bestenlisten von Kritikern und Regisseuren. Vittorio de Sicas Film gilt als beispielhaft für den italienischen Neorealismus, der viele spätere Schulen inspirierte - ob Nouvelle Vague, New British Cinema, den deutschen Autorenfilm oder Hollywood.


Auch die Traumfabrik musste lernen, dass in der klinischen Atmosphäre von Studios gedrehte Filme das Publikum auf Dauer ermüden. Realistischer Stoff ist nicht unbedingt weniger anrührend. "Fahrraddiebe", der mit Laien gedreht wurde, nur eine einzige Studioszene besitzt und ohne Happy End daherkommt, ist nicht frei von Sentimentalität. Er ist gar zum Tränenweinen traurig. Doch nicht auf die kitschige Art, sondern auf die wütend machende, die aufrüttelnde. Das Herz des Films schlägt links. Und endlich gibt es ihn mit einer Fülle von Bonusmaterial.

Fahrraddiebe (I 1948; R: Vittorio de Sica; Alamode)



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