There Will Be Blood
USA 2007
16.07.2008, 18:35, Text:
Wolfgang Frömberg
Paul Thomas Anderson hat mit seiner Upton-Sinclair-Verfilmung einen epischen Kunstfilm geschaffen - eine Art "Dallas" für Intellektuelle. Wenn man der Kritik glauben möchte. Wolfgang Frömberg hat einen anderen Film gesehen und findet lobende Worte.
Daniel Day-Lewis ist ein Schauspieler, der seinem Berufsstand zum zweifelhaften Ruf verhilft, vor der Kamera mehr als Geist und Körper einer Figur zu sein, die dem Darstellenden prinzipiell gar nicht so unähnlich ist. Statt auf Teufel komm raus zu spielen, was er nicht ist, holt der brave Schauspieler die Ähnlichkeiten mit der Kunstfigur aus sich heraus und stellt sie zur Schau - wobei er im besten Fall selbst einfach verschwindet (um dadurch desto brillanter im Bild zu erscheinen). Wenn ein extrovertierter, äh, wandelbarer Akteur wie Day-Lewis, dessen Idol Robert de Niro ist, die Bildfläche betritt, möchte man als genervter Zuschauer im Gegenteil, dass er bald wieder verschwindet, um der Handlung Platz zu machen.
Als Kino-Regisseur (nicht Theater!) muss man wohl mit den Eigenarten eines solchen bunten Vogels leben - und sie bestmöglich in den Film zu integrieren wissen. Was Martin Scorsese als Dompteur in seinen "Gangs Of New York" nicht gelang - wo Day-Lewis' One-Man-Show dem exzessiven Gebaren eines trotzigen Kindes ähnelte -, schafft Paul Thomas Anderson (of "Magnolia"-, "Boogie Nights"- und "Punch-Drunk Love"-Fame) in einem Film, der nur zu oft zwischen den offensichtlichen Antipoden Epos und Kunstfilm rezipiert wird: "There Will Be Blood" lautet dessen martialischer Titel. Seine eigentlichen Stärken und Schwächen wurden von der Kritik geflissentlich übersehen.
Also erst mal: guter Titel, die Konsequenz des Kapitalismus. Punktabzug fürs elegische Erzählen oder wie das heißt. Ein spannenderer Plot wäre drin gewesen, hätte sich Anderson enger an die von ihm lose adaptierte Romanvorlage "Öl" des großen Sozialisten Upton Sinclair gehalten, die ihm zu gleichnishaft erschien. Aber so, wie Sinclair natürlich nicht nur das System im Allgemeinen aufs Korn nahm, sondern spezifisch als Heimatdichter - man denke an seinen Roman über die Bedingungen in der Fleisch verarbeitenden Industrie Chicagos in den 20er-Jahren, "Der Dschungel" -, wird bei Heimatfilmer Anderson aus dem Geflecht von Öl und Macht eine Abrechnung mit einem Amerika, das zwischen manischem Unternehmertum und fanatischer Religiosität eine Menge Hilf- und Trostlosigkeit zu bieten hat. Der Showdown, in dem der irre Prediger Eli (Paul Dano) und der von Day-Lewis verkörperte Ölbaron Plainview samt all ihrer Theatralik kämpfen, zeigt derweil, was passiert, wenn das Drehbuch sein wahres Gesicht zeigt.
There Will Be Blood (USA 2007; R: Paul Thomas Anderson; D: Daniel Day-Lewis, Dillon Freasier, Paul Dano; Touchstone)
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