Tokyo X Erotica
J 2001
19.06.2008, 15:23, Text:
Birgit Binder
Regisseur Takahisa Zeze stellt in "Tokyo X Erotica" die Frage: Welche Zeit ist länger - die vor der Geburt oder die nach dem Tod?
Fünf ineinander verwobene Episoden liefern zwar keine Antwort. Wie auch? Aber die ProtagonistInnen diskutieren mehr oder minder eloquent - und haben eine Menge Sex jenseits der Missionarsstellung.
Wer nun auf Kommerzpornografie nach den hierzulande ungemein einfallsreichen Mustern tippt, liegt falsch. Das gilt auch für alle, die einen gemütlichen Episodenfilm erwarten. Sicher sind Pinkfilme qua ihrer Produktion(svorgaben) kommerziell. Der Geschlechtsverkehr ist obligatorisch. Aber der Rest ist Sache der Regie. Nicht nur Zeze wusste das Experimentierfeld des Pinkfilms als ein Reservat für Autorenfilmer zu nutzen.
Das gefiel Anfang der 90er besonders einigen Kinobetreibern und "ojisan" - den "alten Männern" - nicht. Die waren, so erklärte Zeze in einem Interview, "nicht allzu glücklich mit all der Politik" darin. Die offensichtlich nicht nur aus alten Männern bestehende japanische Filmkritik scherte das nicht. Sie verlieh Zeze und drei weiteren Kollegen - Hisayasu Sato, Kazuhiro Sano, Toshiki Sato - den Titel der "vier pinken himmlischen Könige". Politik lieferte Zeze in schonender Dosis auch noch 2001 in "Tokyo X Erotica", dessen Auftaktepisode im Jahr 1995 spielt und mit einer Reminiszenz an die Giftgasanschläge der Aum-Sekte in Tokio beginnt. Perfekt wären eine stärkere Dosis Politik und eine schwächere Dosis Sex gewesen. Aber vielleicht war das Mischungsverhältnis 2001 unter Tokioter Jugendlichen wirklich so "lauwarm", wie Zeze behauptete.
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