24 Hour Party People
GB 2002
20.06.2008, 15:14, Text:
Martin Büsser
[1 Kommentar]
Talking 'bout a Rave-o-lution' - und was sonst noch so zu Manchester dazugehört. Michael Winterbottoms Porträt einer Stadt und ihrer entscheidenden künstlerischen Szenen um Tony Wilson, "24 Hour Party People", ist hierzulande endlich auf DVD erhältlich.
Wie sich die Bilder gleichen: Am Ende von "Control" sieht sich der von Sam Riley gespielte Ian Curtis zu Hause Werner Herzogs "Stroszek" an. Noch während des Abspanns steht er auf, um sich zu erhängen. Dieselbe Szene findet sich in Michael Winterbottoms Manchester-Porträt "24 Hour Party People". Anton Corbijn hat viele Passagen daraus übernommen. Bei Winterbottom geht es allerdings nach dem Tod von Ian Curtis erst so richtig los. Joy Division bilden den Anfang, es folgen die nicht minder großartigen New Order.
Während sich der stilsichere Film "Control" inhaltlich sehr schnell zum drögen Melodram um einen Mann zwischen zwei Frauen entwickelt, bleibt der Fokus von "24 Hour Party People" auf der Musikszene. Im Mittelpunkt steht der von Steve Coogan gespielte Tony Wilson, im vergangenen Jahr verstorbener Gründer des Factory-Labels. Dessen Liebesleben wird von Winterbottom glücklicherweise nur am Rande gestreift. Winterbottoms Versuch, Dokumentar- und Spielfilm zu vermischen, sorgt an vielen Stellen für unfreiwillige Komik, etwa, wenn Howard Devoto und Mark E. Smith kurz auftauchen und sich selbst spielen. Dennoch macht der Film eindruckvoll deutlich, dass die Popgeschichte seit den 70ern ohne Manchester anders - und zwar sehr viel schlechter - verlaufen wäre.
Begonnen hatte alles mit einem Auftritt der Sex Pistols im Juni 1976. Im Publikum waren 42 Leute. Nahezu alle sollten danach eine Band oder ein Label gründen. Unter ihnen auch Tony Wilson, der Jahre später die großartigen, aber fast vergessenen A Certain Ratio tröstete, nachdem sie bei ihrem Gig 20 Besucher gezählt hatten: Sie sollten sich an den Sex-Pistols-Gig erinnern, so Wilson, der bewiesen habe, dass eine Band umso größer werde, je weniger Besucher auf ihre Konzerte kämen. Dies war einer der wenigen Momente in seinem Leben, wo er sich geirrt hatte.
Zunächst erzählt "24 Hour Party People", wie sich aus Punk und New Wave heraus der Electropop von New Order und schließlich sogar die Rave-Szene entwickelt haben, an deren Verbreitung Wilson entscheidend mit beteiligt war. Die zweite Hälfte des Films gehört fast ausschließlich den Happy Mondays und dem Aufstieg und Fall des Hacienda-Clubs. Vielleicht liegt es an mangelnder historischer Distanz, dass gerade hier die Zeitumstände zugunsten von Party- und Drogen-Gossip fast völlig ausgeblendet werden.
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Kopfgeburt 20.07.2008 | 15:27:44
"Control" ein "dröges Melodram"?! Hm... dass aus dem Leben von Ian Curtis keine RTL-kompatible Dramödie wird müsste eigentlich klar gewesen sein, oder?!
"Unfreiwillig komisch"?! Lieg' ich falsch wenn der Film einfach eine Homage an Madchester ist, mit typisch englischem Humor (Doku-Stil, hä?!?!), der Gott sei Dank auf eine (deutsche) Synchronisation verzichtet? Ich finde den Film nämlich neben den SimonPegg-Filmen mit das amüsanteste was ich die letzte Zeit aus England sehen durfte!
Und nebenbei gibt es auch noch mehr "unfreiwillige" Camoes von Mani (StoneRoses, Primal Scream), Clint Boon (Inspiral Carpets) und Paul Ryder (Happy Mondays).
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