I'm A Cyborg, But That's OK
ROK 2006
[R: Chan-wook Park; D: Soo-young Lim, Ji-hoon Jung]
21.04.2008, 17:09, Text:
Ed Junge
Längst sind Cyborgs im medizinischen Bereich Alltag. Keine "Mensch-Maschine" (Cybernetic Organism) unter uns käme auf die Idee, aufgrund eines implantierten Herzschrittmachers, Netzhaut oder Prothese "sonderbar" zu sein. Auch Young-goon, Arbeiterin in einer Radiofabrik, findet sich als Cyborg ganz in Ordnung. Doch ihr Körper enthält kein technisches Implantat, Young-goon ist qua enger Definition des Begriffs kein Cyborg. Als sie gewaltsam von ihrer Großmutter getrennt wird, beginnt Young-goon ihre Überzeugung in radikalster Konsequenz auszuleben: Sie verweigert jede Nahrungsaufnahme und wird in die Psychiatrie eingeliefert.
Wer nun eine Mischung aus "RoboCop" und "Einer flog über's Kuckucksnest" erwartet, hat die Rechnung ohne Chan-wook Park gemacht. Selbst den Erwartungen derer, die "Joint Security Area" oder seine sogenannte Rache-Trilogie ("Sympathy For Mr. Vengeance", "Oldboy", "Sympathy For Lady Vengeance") kennen, scheint der 1963 in Tanyan geborene Philosoph und Regisseur mit seinem neusten Filmstreich, einer zauberhaften Liebeskomödie, ein Schnippchen geschlagen zu haben. Er habe einen Film für seine Tochter im Teenager-Alter machen wollen, erklärte Park im Interview.
Der Altersradius war offensichtlich zu klein, wurde "I'm A Cyborg, But That's OK" doch auf der Berlinale 2007 zum Publikumsfavoriten gewählt. Das mag an Parks immer wieder überraschenden visuellen Einfällen liegen, die der Südkoreaner raushaut, als wolle er sich an all den Anleitungen zu Filmstereotypen rächen, mit denen angehende Regiestudenten wie Kinozuschauer bombardiert werden. Mit derselben Stärke inszeniert er nicht nur eines der schönsten Liebespaare - Young-goon und den Wochentage-Dieb Il-soon -, sondern zeigt jenseits von Kitsch und Plattitüde auf, welche Hürden mit der Kombination Fantasie, Hartnäckigkeit und Liebe überwunden werden können. Chan-wook Parks nächstes Projekt "Thirst" ist für 2009 angekündigt und wird laut Regisseur ein sehr trauriges und tragisches Melodram über einen Vampir, der sich in eine verheiratete Frau verliebt.
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