Sicko
USA 2007
21.04.2008, 15:37, Text:
Sascha Seiler
Michael Moore hat sich mit der Art, seine Filme zu drehen und zu präsentieren, nicht nur Freunde gemacht. Als "Sicko" in die Kinos kam, hatte er es sich mit dem Großteil der Kritik nicht ganz ohne Grund verscherzt. Sascha Seiler mag ihn trotzdem nicht abschreiben.
Ja, der Michael Moore: der Held der kleinen Leute, der mit seinem Film über den Verfall der Autoindustrie im Allgemeinen und die Firma Ford im Besonderen zum neuen Stern am Doku-Filmer-Himmel aufstieg und fortan als Sinnbild des kämpferischen Amerikaners mit dem Herz am rechten Fleck galt. Moore ist zum Opfer seiner eigenen Popularität geworden - sowohl seines moralischen als auch seines finanziellen Erfolgs. "Bowling For Columbine" wurde allerorts noch als mutiges Stück Kino gefeiert, doch "Fahrenheit 9/11" ging der Medienmaschinerie dann doch ein bisschen zu weit. Und als sie angeworfen wurde, um Moore mit negativer Propaganda zu überhäufen, war es eigentlich schon geschehen um den ehemaligen Sympathieträger. Vielleicht hat er seine Medienpräsenz, gerade auch in Deutschland, ein wenig überzogen. Auf jeden Fall wollte ihn keiner mehr so recht ernst nehmen, als im letzten Jahr "Sicko" in die Kinos kam. Und außerdem: Was interessiert uns das amerikanische Gesundheitswesen?
Diese negative Rezeption ist eine Schande, denn obwohl "Sicko" natürlich auch ein plakativer Film ist - anders kann Moore nicht erzählen -, ist von großem Interesse, wie er die Wurzel der gesellschaftlichen Missstände Amerikas am Verfall des Gesundheitssystems festmacht. Spannend wie ein Politthriller ist dieser Film inszeniert. Gerade als Europäer gewinnt man einen guten Eindruck davon, was es bedeutet, auch in einem freien Land zum Sklaven eines Staates zu werden, der sich um seine Bürger einen Dreck schert und ihnen nicht einmal das in Deutschland selbstverständliche Grundrecht auf medizinische Versorgung gewährt.
Das Interessante dabei ist, dass es Moore eben nicht um die fast 50 Millionen nicht versicherten Amerikaner geht, sondern um die 250 Millionen, die solch eine Versicherung in einer oder anderer Form ihr Eigen nennen, sich dafür aber in den meisten Fällen ebenso wenig kaufen können. Und es geht um unterbezahlte Ärzte, überfüllte Krankenhäuser, unfähige Angestellte und, immerhin ist es ein Film von Michael Moore, einen Staat, der rein gar nichts gegen die Missstände unternimmt, außer sich zu bereichern. Ein schockierendes Bild der amerikanischen Gesellschaft und gleichzeitig eine Erinnerung daran, Michael Moore nicht vorzeitig abzuschreiben.
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